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Geschichte Braune Bonzen und Bomben

Ascan Dieffenbach

GANDERKESEE - Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich auch das Leben in Ganderkesee. Der fast vollständig von Mitgliedern der NSDAP beherrschte Ganderkeseer Gemeinderat wählte am 14. Juli 1933 den Ortsgruppenleiter der NSDAP, Friedrich Struthoff, zum Gemeindevorsteher.

Im Einvernehmen mit dem Kreisleiter wurde Struthoff am 28. Juli 1933 von Julius Pauly (NSDAP, Mitglied der Regierung des Freistaates Oldenburg) in sein Amt eingeführt. Struthoff blieb zwar bis zum Kriegsende im Amt, jedoch wurde er im Mai 1940 auf eigenen Wunsch Soldat und später in der Ukraine eingesetzt.

Dass auf einer anderen Ebene der Nationalsozialismus und damit auch die Gräueltaten in Ganderkesee ankamen, zeigen Geschichten aus den Erinnerungen von Hermann Speckmann, der in seiner Schrift „Kriegsende in Ganderkesee“ auch in die Zeit des Krieges zurückblickt.

Bahnhof im Blickpunkt

Viel spielte sich laut Speckmann am Bahnhof ab. Lazarett-Züge mit Verwundeten hielten an, Soldaten wurden von Familien verabschiedet. Aber auch Viehwaggons mit Menschen darin hielten auf dem Bahnhof. Speckmann berichtet von seinem Vater, der Dürstenden, die Becher aus dem Fenster hielten, Wasser gegeben hatte.

Darüber hinaus gab es im Ort eine Halle, in der Möbel von verschleppten Juden gelagert wurden. Einige Einwohner des Ortes versorgten sich dort mit Inventar. Auch davon, dass Flüchtlinge aus anderen Teilen des Landes in Ganderkesee unterkommen sollten, berichtet Speckmann: „Sie wurden nur widerwillig von den Einheimischen aufgenommen.“

Schon in den ersten Kriegstagen gab es in Ganderkesee Fliegeralarm. Schließlich waren Wilhelmshaven und Bremen wichtige Ziele der Alliierten. Häufig flogen Bomber über den Ort. Der Krieg bedeutete auch Einsatz für die Ganderkeseer Feuerwehren: Sie mussten an die Weser.

Über Ganderkesee kam es aber auch zu Kampfhandlungen zwischen Flugzeugen. Dabei stürzten nicht nur die Maschinen ab. Hermann Speckmann: „Am spannendsten wurde es für uns Kinder, wenn Besatzungsmitglieder an Fallschirmen hängend zur Erde pendelten.“ Ein alliierter Soldat blieb ihm offenbar besonders in Erinnerung: „Ein braun gebrannter Mann mit dunklen Augen, sehr verängstigt und dadurch redselig. Junge Mädchen aus dem Dorf bewunderten den Stoff und versuchten ihm den Fallschirm abzuschnacken, um daraus Kleider zu nähen. Das lehnte er lachend ab. Der Flieger wurde, auf einem offenen Pferdewagen sitzend, in Gefangenschaft gefahren.“

Am Ende die Zerstörung

So ging es in Kriegszeiten natürlich nicht immer zu. Viele Besatzungsmitglieder verunglückten beim Versuch, abzuspringen, tödlich. Regelmäßige Bombenalarme hielten die Bewohner Ganderkesees in Angst und Schrecken, überschüssige Munition wurde über der Gemeinde abgeworfen. Von schweren Zerstörungen blieb Ganderkesee dennoch lange verschont. Am Ende des Krieges jedoch traf es den Ort umso härter: Als am 21. April 1945 die anrückenden kanadischen und britischen Verbände auf Widerstand deutscher Soldaten in Ganderkesee trafen, fielen durch die alliierten Geschosse weite Bereiche des Ortskerns in Schutt und Asche.

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