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Integration Beziehungen werden durch Kommunikation aufgebaut

Ganderkesee - Deutsche Sprache, schwere Sprache: Für die Flüchtlinge, die seit 2015 auch nach Ganderkesee gekommen sind, ist Verständigung für eine erfolgreiche Integration wichtig. Die NWZ hat nachgefragt, wie hoch der Bedarf an Deutschkursen jetzt ist, wo nur noch eine Handvoll Menschen im Rahmen von Familienzusammenführungen in die Gemeinde kommen.

Teilnehmer sind gefordert

Acht Deutschkurse laufen derzeit bei der regioVHS in Ganderkesee und Hude, mit insgesamt rund 90 Teilnehmern. „Wenn wir einen Kurs anfangen, wissen wir nicht immer, wie viele Teilnehmer wir haben“, erklärt Andreas Lembeck, Programmbereichsleiter Sprachen. „Das spricht sich immer erst hinterher rum und dann klingeln die Leute bei uns.“

Derzeit gebe es einen höheren Anteil an sogenannten primären Analphabeten, die auch ihre Muttersprache weder lesen noch schreiben können. „Die Anzahl dieser Analphabeten ist insgesamt gleich geblieben“, so Lembeck, „sie fallen nur deshalb jetzt mehr auf, weil das Gros der Flüchtlinge mittlerweile Deutschkurse gemacht hat.“

Die Herausforderung für diese Menschen sei enorm. „Die Leute müssen nicht nur Sprache und Schrift lernen, sondern auch rudimentäre Sachen wie ,Wie halte ich einen Stift?’“, sagt Lembeck. Der Umfang der Kurse mit vier Stunden pro Tag, 1200 insgesamt, sei dafür knapp bemessen. „Die Teilnehmer sollen von Null auf das Niveau B1 kommen, das ist eigentlich nicht zu schaffen.“

Seit etwa drei Jahren gibt es bei der regioVHS zusätzliche Aufbaukurse, die berufsbezogene Förderung mit 400 bis 500 Stunden Umfang anbieten. „Das ist eine Mischung von allem“, so Lembeck, „hauptsächlich aber handwerklich orientiert.“

Ehrenamtliche helfen aus

Ein gutes Zeugnis in Sachen freiwillige Sprachhilfe für Flüchtlinge stellt Erich Kurzawski vom Arbeitskreis Flüchtlinge der Gemeinde Ganderkesee aus. „Das hat alles ganz gut geklappt, wir sind immer unterstützt worden“, blickt er auf die letzten vier Jahre zurück.

2015 habe der Arbeitskreis während des großen Andrangs einen besonderen Bedarf bemerkt. „Bei der Essensausgabe mussten wir uns ja irgendwie verständigten“, erinnert er sich. Von der Gemeinde wurden daraufhin Räume bereitgestellt, in denen die ehrenamtlichen Mitglieder des Arbeitskreises Einführungskurse mit jeweils rund 15 Erwachsenen durchführten. „Die Dozenten unserer Arbeitsgemeinschaft Sprache, viele davon waren Lehrer, haben sich selber ein Programm erarbeitet“, so Kurzawski.

Die sprachfördernde Zusammenarbeit mit den Geflüchteten erfolgte aber auch außerhalb von festen Kursen. „Einige Ehrenamtliche haben Familien in Einzelterminen besucht oder Nachhilfe für Kinder gegeben.“

Diese Arbeitskreise gab es bis 2017. „Der Bund hat dann den Profis wie der regioVHS mehr Geld gegeben“, erklärt Kurzawski. „Je mehr Kurse die aufgebaut haben, umso mehr haben wir dann abgebaut.“ Eine Zusammenarbeit gab es noch eine Weile länger, etwa wenn sich innerhalb eines Kurses der regioVHS sehr unterschiedliche Niveaus bei den Teilnehmern bemerkbar machten. Kurzawski: „Da haben wir dann mit einzelnen Personen gezielt nachgearbeitet.“ Mittlerweile habe sich das aber erübrigt.

Was der Arbeitskreis noch mache, sei spezieller Einzelunterricht. „Wenn jemand das Niveau B2 für die Berufsschule, besondere Betriebe oder die Universität braucht“, so Kurzawski. „Wir haben auch einen großen Pool an Ehrenamtlichen dafür. Da entstehen echte Freundschaften.“ Insgesamt acht Ehrenamtliche arbeiten derzeit noch in dieser Einzelvermittlung.

Sprach-Paten gesucht

Eine zentrale Vermittlerin zwischen Einrichtungen und Flüchtlingen ist in Ganderkesee Sandra Baba, Integrationsberaterin der Diakonie. „Es gibt immer einen Bedarf an Sprachkursen“, sagt sie, „auch jetzt.“

Sie selbst spricht Arabisch und kennt den Kulturkreis vieler Geflüchteter. „Wenn es Missverständnisse gibt, kann ich für beide Seiten erklären“, so Baba. Der Bedarf an Sprachkursen ist aus ihrer Sicht langfristig gegeben, da es immer noch Geflüchtete gebe, die wegen schlechter Verkehrsanbindung, Kindern oder Krankheiten bisher keine Angebote wahrnehmen konnten.

Das sei auch wichtig für die Integration. „Durch Kommunikation baut sich eine Beziehung auf“, sagt Baba. Die Methode, nach der sie potenzielle Kursteilnehmer einordnet, hat sich im Laufe der Jahre geändert. „Am Anfang gab es Wartezeiten für Sprachkurse“, blickt sie zurück, „wir haben in dieser Zeit Gruppen gebildet und erste Kenntnisse vermittelt.“ Heutzutage betreut sie Menschen individuell. „Ich beobachte, wer was braucht, und dann finden wir eine Lösung“, erklärt Baba. In manchen Fällen schlage sie dann bei den Ehrenamtlichen vom Arbeitskreis „Alarm“, damit Betroffene Einzelunterricht bekommen. „Bisher hat das immer geklappt“, freut sie sich.

Gesucht werden derzeit ehrenamtliche Paten, die Lust haben, private Kontakte für Flüchtlinge zu sein und mit diesen Deutsch zu sprechen.

Arne Haschen
Arne Haschen Digitalteam Wesermarsch
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