GANDERKESEE - Die Wahl des Ortes, an dem dieses Gespräch stattfindet, hätte besser nicht sein können: Das Ganderkeseer Jugendzentrum „Trend“ ist schließlich die ideale Bühne, wenn es um lokale Jugendthemen geht. Hier trifft jetzt Jugend auf Politik. Freitagnachmittag um kurz nach 14 Uhr warten die beiden Vorsitzenden des Jugendparlaments, Solveig Backhaus (19) und Philipp Glahe (18), auf den Schulleiter der Förderschule, Werner Köhler (54). Aber nicht lange – denn Köhler will die Jugendlichen nicht warten lassen.

Das Gespräch, man könnte es auch „Kreuzverhör“ nennen, findet in einem schlichten Gruppenraum des „Trend“ statt. Drei kleine Stühle und ein kleiner Tisch stehen da – das war’s. Die Intention der nüchternen Plattform ist klar: Nichts soll von den wichtigen Jugend-Themen ablenken.

Und so kommt Solveig Backhaus auch sofort zur Sache – wenige Augenblicke, nachdem Werner Köhler Platz genommen hat und einmal tief durchatmen konnte. „Herr Köhler, was halten Sie eigentlich vom Jugendparlament?“, fragt die Schülerin den ehemaligen Bundestagskandidaten der Grünen.

Köhler: „Ich finde das eine fantastische Sache. Der erste Anlauf scheiterte ja leider. Ich denke, in so einem Jugend-Netzwerk gibt es ja immer ein Auf und Ab.“

Arbeit braucht Kontinuität

Philipp Glahe will wissen: „Was sind ihre Ziele in der Jugendpolitik?“. Köhler überlegt einen Moment, antwortet dann: „Ich denke, die Jugendlichen sollten ein eigenes Büro im Rathaus bekommen. So könnte man in der Jugendarbeit so etwas wie Kontinuität etablieren.“

Köhlers Antworten klingen freundlich. Er vermittelt glaubwürdig den Eindruck, dass ihm das Treffen mit den beiden Jugendlichen wirklich am Herzen liegt – und freut sich auch über die mediale Unterstützung durch die NWZ .

Als nächstes will Phillip Glahe wissen, ob er mit allen Forderungen seiner Partei übereinstimme. „Unsere jungen Mitglieder vertreten zum Teil radikale Thesen. Um es klar zu sagen: Ich halte nichts von der Freigabe von Cannabis oder Marihuana.“

Tanzpartys gute Sache

Solveig Backhaus kommt auf die sogenannten „Tanzpartys“ zu sprechen, die mit wachsender Beliebtheit in Hude stattfinden und auf denen auch Jugendliche unter 18 ohne Alkohol feiern können. „Das finde ich gut. Ich denke, so etwas kann man sicherlich auch auf Ganderkesee übertragen.“

„Können Sie Jugendlichen empfehlen, sich politisch zu engagieren“, fragt Philipp Glahe. Köhler antwortet: „Ich rate Jugendlichen, sich für Politik zu interessieren. Mir ist aber wichtiger, dass sie in erster Linie sich in der Realität auskennen. Sie sollen sich aber ruhig engagieren – dann sitzen im Parlament nicht nur alte Säcke.“

Nach 35 Minuten kommt das Gespräch an sein Ende. Da hat Werner Köhler noch ein großes Lob für die beiden Interviewer: „Ich seid sehr angenehme Gesprächspartner“. Das hören die Jugendlichen gern, auch wenn das nicht vorrangig ihr Ziel war. . .