Ganderkesee - Vor zehn Jahren bestimmten die Vereinten Nationen den 15. September zum „Tag der Demokratie“. Angesichts der allgegenwärtigen „großen“ Politik, hat sich die NWZ gefragt, wie die Jugendlichen in der und durch die Gemeinde Ganderkesee an die politische Mitbestimmung herangeführt werden. Speziell zwei Möglichkeiten sind hier von Interesse: die Jugendbeiräte der Jugendzentren und das Jugendparlament.
Die Jugendzentren
Erst jüngst wurde in den politischen Gremien der Gemeinde Ganderkesee darüber diskutiert, ob man die bisherigen drei Jugendzentrums-Beiräte in einem Beirat bündeln wolle. Aber was machen diese Beiräte überhaupt? Und wie sind sie zusammengesetzt?
„Die Beiräte bestehen aus jeweils vier stimmberechtigten Jugendvertretern und vier stimmberechtigten Vertretern der Ratsfraktionen“, erklärt Gemeindesprecher Hauke Gruhn auf Nachfrage der NWZ. Hinzu kommen weitere, beratende Mitglieder. Die Jugendlichen präsentieren ihre jeweiligen Jugendhäuser, stellen Aktivitäten vor und äußern Wünsche an Politik und Verwaltung. Entscheidungen werden, obgleich es stimmberechtigte Mitglieder gibt, indes nicht getroffen. „Auch Abstimmungen finden de facto nicht statt. Im Vordergrund steht der Austausch“, so Gruhn. Problem bei der Zusammensetzung sei vor allem, dass die aktiven Jugendlichen recht häufig wechseln würden. Ein Problem, welches sich auch beim Jugendparlament zeigt.
Das Jugendparlament
Seit 2005 – und seit 2012 per Ratsbeschluss legitimiert – gibt es in Ganderkesee ein Jugendparlament als parteiunabhängige Interessenvertretung der Jugendlichen in der Gemeinde. „Ziel ist, den Jugendlichen die Themenfelder der Demokratie und Politik näher zu bringen und die Entwicklung einer eigenen politischen Meinung zu fördern“, erklärt Gemeindejugendpflegerin Hille Krenz. Dies geschehe vor allem dadurch, dass sich die Jugendlichen zu verschiedenen Themen informieren und recherchieren. Zudem diene das Jugendparlament als Plattform, um untereinander und mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Besonders beliebt bei den 22 Mitgliedern im Alter von elf bis 19 Jahren seien auch die jährlich stattfindenden Fahrten in den Niedersächsischen Landtag oder das Jahrestreffen für kommunalpolitisch engagierte Jugendliche.
Vorsitzende des Jugendparlaments ist zurzeit die 16-jährige Gymnasiastin Anna-Tabea Stecher, ihre Stellvertreterin ist die gleichaltrige Maria Kern, die die Oberschule Bookholzberg besucht. Insgesamt zählt das Jugendparlament 22 Mitglieder, an den fünf bis sechs Sitzungen im Jahr nehmen im Schnitt aber nur acht Mitglieder teil. Gewählt werden die Vertreter über die Schulen in der Gemeinde.
Über den Austausch hinaus sollen die Jugendlichen „ihre politischen Rechte bewusst wahrnehmen und Demokratie aktiv erleben“, teilt Hauke Gruhn mit. Dazu gehöre auch, dass die Mitglieder ihre Standpunkte aktiv gegenüber Politik und Verwaltung vertreten. „Explizite Forderungen zu einzelnen Themen sind in jüngster Zeit nicht vorgekommen, da von Seiten der Mitglieder des Jugendparlaments kein Bedarf gesehen wurde“, so Hauke Gruhn. Auch die beratende Funktion zu Jugendthemen in Ausschüssen der Gemeinde wurde in jüngster Zeit nicht wahrgenommen. „Passende Themen haben sich nicht ergeben“, so Gruhn.
Aktiver sei das Jugendparlament indes in der Gestaltung von Angeboten für Jugendliche. So wurden bereits Veranstaltungen wie der Mitternachtssport, „Jugend geht wählen“ oder ein Filmprojekt zum Thema Alkoholmissbrauch realisiert. Auch an Projekten wie der Blacklight-Sports-Nacht oder der Tanzrausch-Disco ohne Nikotin und Alkohol beteilige sich das Jugendparlament regelmäßig.
Die nächste Sitzung des Jugendparlamentes findet am Donnerstag, 19. Oktober, 18 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses statt. Dazu sind Jugendliche aus der Gemeinde Ganderkesee herzlich eingeladen.
