GANDERKESEE - Ein grundsätzliches Dilemma der Politik offenbarte sich am Mittwochabend im Ganderkeseer Rathaus: Es allen Bürgern Recht zu machen, ist schwerlich zu schaffen, Das musste in seiner immerhin schon zweiten Sitzung der noch jungen Wahlperiode auch der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz erkennen, nachdem er mit einem einstimmigen Votum das kommunale Klimaschutzkonzept auf den Weg gebracht hatte – und glaubte, damit ein gutes Werk vollbracht zu haben.
Doch was Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas als großen Schritt nach vorn wertete, „worauf wir vor einem Jahr nicht zu hoffen gewagt hätten“, ging einigen Zuhörern längst nicht weit genug: „Erstaunt bis enttäuscht“ sei er, beklagte Hartmut Lammert vom Aktionsbündnis „Prima Klima“. „Warum beschließen Sie nicht mehr“, wollte ein anderer Besucher wissen.
Beschlossen werden soll nämlich das Klimaschutzkonzept vorerst gar nicht, sondern nur „als Arbeitsgrundlage zur Kenntnis genommen“, empfahl der Ausschuss. Über die Umsetzung der „ersten“ Maßnahmen“ – also nicht aller Maßnahmen, wie es zuerst formuliert war – solle Anfang 2012 entschieden werden.
Mit diesem – gegenüber der Ursprungsfassung leicht abgeschwächten – Beschlussvorschlag wollten die Politiker vermeiden, wie es Arnold Hansen (Freie Wähler) formulierte, „einen Freifahrtschein für alle 43 Maßnahmen auszustellen.“ Das wäre ohnehin nicht der Fall gewesen, beruhigte zwar Andreas Lieberum von der Agentur Ecolo, der in der Sitzung mit weiteren Experten noch einmal die Maßnahmenpakete vorgestellt hatte. Dennoch wollte die Politik auf Nummer sicher gehen – und zog sich damit hörbar den Ärger lokaler Klimaschützer zu, die an der Erarbeitung des Konzeptes engagiert mitgewirkt hatten.
Das enttäuschte wiederum die Bürgermeisterin: „So eine breite Basis wie heute hatten wir noch nie“, warb Alice Gerken-Klaas um mehr Unterstützung. Und den Kritikern im Publikum schrieb sie ins Stammbuch: „Wer immer nur Druck ausübt, schafft Gegendruck!“ Der Ausschuss trommelte Zustimmung. Die Diskussion wird weitergehen.
