GANDERKESEE - Der Papst ist da – allerdings wird er nicht überall mit offenen Armen empfangen. Eine Umfrage im Ortskern ergab, dass es auch in der Gemeinde Ganderkesee kritische Stimmen am Besuch des Heiligen Vaters gibt.
Der Ganderkeseer Lothar Koglin (83) beispielsweise meint, dass zu viel Wirbel um den Besuch gemacht werde. „Er wird ja als Staatsoberhaupt empfangen. Dementsprechend ist der Aufwand natürlich riesengroß, aber meiner Meinung nach unangemessen“, findet Koglin. Zudem sei die Kirche eine Privatsache, die man strikt vom Staat trennen solle.
Eben jene Trennung vermisst auch Jürgen Hake (73) aus Schierbrok. „Ein Papst hat meiner Meinung nach nichts im Bundestag verloren, denn Kirche und Staat gehören getrennt“, ärgert er sich. Eben die Rede im Bundestag hat aber dem Ganderkeseer Andreas Menard (44) gefallen. Der Heilige Vater habe Kernfragen im zwischenmenschlichen Bereich angesprochen und nicht nur Phrasen gedroschen.
Generell mache der Papst seine Sache recht gut, auch wenn es laut Menard eine schwere Aufgabe sei, aus dem großen Schatten des Vorgängers herauszutreten. Einen Vorwurf macht der Ganderkeseer Benedikt XVI. aber im Bereich einiger strittiger Fragen. „Ich finde, dass vor allem die Stellung von Frauen und Homosexuellen in der katholischen Kirche dringlich reformiert werden muss“, fordert Menard.
Ähnlicher Meinung ist auch Kathrin von Hardenberg (44) aus Ganderkesee. Sie fordert liberaleres Gedankengut in der katholischen Kirche. „Dennoch wäre es für mich ein Gebot der Höflichkeit gewesen, dass sich alle Abgeordneten des Bundestages seine Rede angehört hätten.“
Letzteres hat die Ganderkeseerin Erika Brüggemann (69) getan. Zwar höre sie sich an, was der Heilige Vater zu sagen habe, dennoch sei sie mit vielen seiner Ansichten überhaupt nicht einverstanden. Sie ärgert sich vor allem über die Intoleranz der katholischen Kirche: „Jesus hat beispielsweise auch mit Verbrechern und anderen Sündern an einem Tisch gesessen. Dieses Vorbild verkörpert die katholische Kirche jedoch überhaupt nicht“, sagt Brüggemann. Somit verfehle man letztendlich die Vertretung der eigenen Identität.
Ginge es nach Marianne Meyer (72) aus Immer, wäre Benedikt XVI. gar nicht erst nach Deutschland eingeladen worden. „Seinen Vorgänger Johannes Paul II. fand ich wunderbar“, erzählt sie. Der heutige Papst sei ihr jedoch deutlich zu konservativ. Auch dessen Haltung gegenüber aktuellen Themen sei nicht nachvollziehbar.
„Es geht nur noch um Geld und Macht“, meint Meyer. „Das kannte man bisher nur aus Politik und Wirtschaft, doch die Kirche schließt sich dem voll und ganz an.“
