GANDERKESEE - Es ist kurz vor halb fünf. Draußen ist es dunkel. Der Haupteingang zum Rathaus ist bereits verschlossen, auf den Fluren im Gebäude-Inneren ist niemand mehr zu sehen.
In Zimmer 131 ist es aber noch taghell. Die Tür zum Dienstzimmer des Fachbereichsleiters für Jugend und Sport steht weit offen. Wie ein Symbol: Für die Jugend scheint diese Tür immer offen zu stehen.
Norbert Budde empfängt die Vertreter der Ganderkeseer Jugend. Solveig Backhaus und Philipp Glahe, die beiden Vorsitzenden des Jugendparlamentes, haben sich Budde als Gesprächspartner für den fünften Teil der NWZ -Jugend-Serie ausgesucht.
Gesprächspartner beim Du
Sie duzen sich von Anfang an, schließlich haben sie schon länger miteinander zu tun. „Wie bist du zur Verwaltung gekommen“, will Philipp Glahe wissen. „Eigentlich wollte ich Industriekaufmann werden. Ich hatte den Vertrag schon in der Tasche. Aber meine Mutter hat mir das im letzten Moment ausgeredet. Sie meinte: Geh’ in den Öffentlichen Dienst. Das ist sicherer.“
Solveig Backhaus fragt: „Konntest Du dir aussuchen, in welchen Bereich du gehst?“ Budde: „Nicht ganz. Zuerst war ich im Versicherungsamt, dann im Sozialamt. Sozusagen an der Front. Dann habe ich mich bei einer externen Ausschreibung für eine Stelle im Jugendbereich beworben. Ich wollte mit jungen Menschen zu tun haben.“
„Hast Du denn hier im Rathaus überhaupt soviel Kontakt zu Jugendlichen“, fragt Philipp Glahe kritisch. Antwort: „Den ganzen Tag. Bevor ich einen langen Brief schreibe, setze ich mich ins Auto und rede mit den Betroffenen. Zum Beispiel beim Thema Randale.“
Skaterbahn als Highlight
Solveig Backhaus: „Was war dein schönstes Erlebnis bisher?“ Budde: „Ich hatte in Ganderkesee viele schöne Erlebnisse. Wenn ein neuer Kindergarten-Abschnitt eingeweiht wird, ein neuer Bolzplatz oder eine Skater-Anlage. Immer wenn wir ein Stück weiterkommen. Das sind die Highlights.“
Philipp Glahe: „Und die weniger schönen Erlebnisse. . .“
Budde antwortet: „Tut mir leid. Ich bin 1992 angefangen. Aber mir ist kein Fall bekannt, wo ein Antrag abgelehnt wurde. Auch wenn das Haushaltsdefizit immer größer wird: Die Jugendarbeit leidet bislang nicht darunter.“
Solveig Backhaus will wissen, wie es um eine Großraum-Disco steht. „Dafür ist die Gemeinde nicht verantwortlich. Sie kann keine Disco betreiben. Das muss ein Investor machen“, so Budde.
Verwaltung ist flexibel
Philipp Glahe: „Ist die Verwaltung denn flexibel genug?“ Budde antwortet: „Beim Kaffeepott in Bookholzberg dauerte es ein Jahr. In den Augen der Jugend vielleicht lange. Aber für die Politik ist das schnell. Das ist bei der Skater-Anlage ähnlich. Die Ausschüsse tagen nicht so häufig.“
Beim Stichwort Skater-Anlage wollen die Jugend-Vertreter wissen, wann es losgeht. „Nächstes Jahr im Frühjahr wird sie aufgebaut. Der TSV hat uns sein Basketballfeld überlassen. Es gibt eine Half-Pipe, eine Rail, eine Quarter-Pipe und eine Fun-Box. Das kostet die Gemeinde 60 000 Euro“, erklärt Budde in bestem Skater-Slang. Die Jugendlichen sind überrascht, wie gut er sich auskennt.
560 000 Euro für Jugend
Zum Schluss macht Budde deutlich: „Die Gemeinde gibt im Jahr 560 000 Euro für Kinder- und Jugendarbeit aus. Und das freiwillig. Das zählt zu den sogenannten „weichen“ Standort-Faktoren. Angesichts der Haushaltslage ist das wirklich bemerkenswert“, so Budde.
