GANDERKESEE - Das Bild von „den“ randalierenden, betrunkenen und pöbelnden Jugendlichen passt den Mitgliedern des Ganderkeseer Jugendparlaments ganz und gar nicht. Zurecht wehren sich die Schüler gegen die Übertragung des Fehlverhaltens Einzelner auf eine ganze Generation. Beate Mohrig und Vera Behde, bei der Ganderkeseer Polizeistation im Bereich Jugendkriminalität tätig, enttarnen das Klischee mit Zahlen: „Von den schätzungsweise 8000 Jugendlichen unserer Gemeinde sind gerade einmal 20 bis 25 als kriminell einzustufen. In unseren Akten tauchen immer die gleichen Namen auf.“

Am Montag waren die beiden Jugendsachbearbeiterinnen bei der Sitzung des Jugendparlaments zu Gast, um dort aus ihrem Arbeitsbereich zu berichten. Statistisch gesehen ist Jugendkriminalität „Männersache“, wie in den Ausführungen von Vera Behde deutlich wurde. Etwa 70 bis 75 Prozent aller Delikte würden von Jungen begangen. Ein Ansteigen der Jugendkriminalität, wie durch die Medien häufig suggeriert, existiere nicht, jedoch sei bei den Delikten eine deutliche Tendenz hin zu Körperverletzung zu beobachten, so die beiden Beamtinnen.

Generell beobachten Vera Behde und Beate Mohrig eine Steigerung der Gewaltbereitschaft, die u.a. auf übermäßigen Alkoholkonsum, den Einfluss von Unterhaltungsmedien, fehlende Kommunikation im Elternhaus zurückzuführen sei. „Allerdings ist auch die Anzeigebereitschaft enorm gestiegen“, berichtet Vera Behde. „Heute landet vieles bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft, was früher als Kleinigkeit galt.“ In Ganderkesee seien Fälle von Jugendkriminalität, vor allem im direkten Vergleich mit der Stadt Delmenhorst, „verschwindend gering“, so Behde. Den Hauptgrund sieht sie in der besser funktionierenden sozialen Kontrolle in ländlichen Gegenden.

Viele vermeintliche Fälle von Vandalismus und nächtlichen Exzessen Jugendlicher beurteilen die Polizeibeamtinnen als bloße Diskriminierung Jugendlicher, die durch Öffentlichkeit und Medien angeheizt würde. „Über die 97 Prozent der Jugendlichen, die sich nichts zuschulden kommen lassen, wird selten berichtet“, so Beate Mohrig. Ihre Kollegin empfahl den Anwesenden, für ein anderes, realistischeres Bild Jugendlicher zu werben, indem sie ihr Engagement und ihre vielfältigen Interessen publik machen.