GANDERKESEE - In ihrem Kampf gegen eine Delmenhorster Stadtumfahrung über Ganderkeseer Gebiet müssen die sieben Orts- und Heimatvereine aus dem Norden der Gemeinde eine Enttäuschung wegstecken. Hilfesuchend hatten sie sich mit einer Resolution an Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, gewandt. Doch die Antwort von Referatsleiter Thomas Mellmann sei nur „das übliche Blabla“, „keine wirkliche Stellungnahme“, bedauert Hinnerk Twietmeyer, Chef des Bürgervereins Heide-Schönemoor.
Ihre Resolution hatten die sieben Vereine auch an Gemeinde und Kreis, ans Niedersächsische Verkehrsministerium oder die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr geschickt. Inhalt: Die Vereine mahnen, keine Entlastungsstraße durch die Gemeinde zu bauen. Denn die Straße zerstöre intakte Dorfgemeinschaften und landwirtschaftliche Existenzen. Und: Sie beschere dem ohnehin vom wachsenden Schienenverkehr gebeutelten Gemeindenorden durch zusätzlichen Kfz-Querverkehr den „Infarkt“.
Im Antwortschreiben aus Bonn (wo das Ministerium sich noch befindet) heißt es, die Argumente seien begründet und nachvollziehbar. Aber: Die Erfahrung zeige, dass viele Straßenbauprojekte auf Ablehnung stoßen. Deshalb werde in solchen Fällen ein Raumordnungsverfahren angewandt (was Mellmann im Brief erläuterte).
Die sieben Vereine wollen jetzt versuchen, auch die Orts- und Heimatvereine aus dem Süden für eine gemeinsame Linie zu gewinnen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Orts- und Heimatverein Ganderkesee sich in einem Alleingang mit ähnlicher Stoßrichtung an Bürgermeisterin und Gemeinderat gewandt.
Harm Ehlers vom Orts- und Verkehrsverein Schönemoor bedauerte, dass die Nordvereine „aus der Zeitung“ erfahren hätten, dass die Gemeinde an einer Info-Veranstaltung zu dem Thema in Oldenburg teilgenommen habe. Der Informationsfluss sei „verbesserungsfähig“.
Unterdessen mahnte Uwe Kroll, Vorsitzender der Bürgerinitiative B 212neu, beim Blick auf die Entlastungsstraße nicht nur deren unmittelbare Umgebung im Blick zu haben – sondern die Auswirkungen auf die gesamte Gemeinde. In den bisherigen Untersuchungen seien diese Folgen „nur sehr unvollständig“ beleuchtet worden. Kroll erwartet Auswirkungen für den Ort Ganderkesee, die Almsloher, die Elmeloher oder die Nutzhorner Straße.
Der Ganderkeseer Fachbereichsleiter Peter Meyer sagte dazu, dass die Gemeinde gegenüber der Landesbehörde vorgebracht habe, „dass wir mehr wissen müssen“.
Hinnerk Twietmeyer geht davon aus, dass letztlich per Klageverfahren versucht wird, die Straße zu verhindern. „Es wird uns nichts anderes übrig bleiben.“ Ob auch die Gemeinde klagen würde, „halte ich für offen“, sagte Meyer.
