Oldenburg - An immer mehr Grundschulen in Oldenburg ticken die Uhren künftig anders – Lernen bleibt längst nicht mehr nur auf den Vormittag beschränkt. Diese Erkenntnis schlägt sich im Rahmenkonzept „Kooperative Ganztagsbildung“ nieder. Der Neufassung haben der Schulausschuss und der Jugendhilfeausschuss jetzt in einer gemeinsamen Sitzung jeweils einmütig zugestimmt. Verabschiedet werden soll das 26-seitige Papier mitsamt seinen fünf Anlagen vom Rat am 30. November. Stellvertretend für die Ausschusskollegen lobte Rita Schilling (Grüne): „Es ist ein gutes Konzept.“
Der Stadtelternrat hat sich unterdessen gegen einen „Ganztagszwang“ ausgesprochen. Vorsitzende Bettina Bruns und ihr Stellvertreter Arne Kaiser schreiben in einer Stellungnahme, dass die Wahlfreiheit der Eltern, ob ihre Kinder ein Ganztagsangebot in Anspruch nehmen, gewahrt bleiben müsse. Die Ganztagsschule könne einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit leisten, aber nur wenn sie nicht zum Zwang für alle Kinder werde.
Das neue Konzept setzt einen Runderlass des Niedersächsischen Kultusministeriums um, der zum 1. August 2014 in Kraft getreten ist. Die Regelungen sollen den Gestaltungsspielraum der Schule erweitern. Neben der Errichtung einer offenen Ganztagsschule (außerunterrichtliche Angebote finden dort grundsätzlich nach dem Unterricht statt und sind freiwillig), ist jetzt auch die Errichtung einer (teil)gebundenen Ganztagsschule möglich. In der gebundenen Ganztagsschule mit ausgewählten, (in der Regel drei) verpflichtenden Teilnahmetagen ist der Schultag so strukturiert, dass Unterricht, Projektarbeit und außerschulische Angebote einander abwechseln – Rhythmisierung lautet das Zauberwort. Als weitere Veränderung nennt Sozialdezernentin Dagmar Sachse die Einführung eines Budgets, um stärker als bisher Sport- und Kulturangebote „einzukaufen“ und in den Ganztag zu integrieren. Neu sei auch ein „Sozialfaktor“ für die Schulen, der Grundlage für die Personalausstattung sein wird. Nach Abschluss des Ganztagsausbaus aller 28 Grundschulen kalkulierte die Stadtverwaltung bisher mit jährlichen Betriebskosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro, nach der Veränderung des Rahmenkonzeptes sind es 6,4 Millionen. Die Reduzierung der Aufwendungen sei auf höhere Landeszuweisungen von rund zwei Millionen Euro zurückzuführen.
