Garrel - Neue Pläne für die Goldschmaus-Unterkünfte am Wätkamp: Statt der vier geplanten Wohnblocks sollen nun offenbar zwei größere Bauernhäuser (Gulfhäuser) mit jeweils sechs Wohneinheiten vor allem für Familien errichtet werden. Die Häuser (20 x 12 Meter Grundfläche) sollen sich in die Umgebung einpassen. Die CDU-Fraktion, die sich intensiv mit den Plänen auseinandergesetzt hat, sieht „positive Signale“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Meyer auf NWZ-Nachfrage. Die CDU habe sich immer für eine Verbesserung für die Goldschmausmitarbeiter ausgesprochen, allerdings nicht in der zunächst geplanten Konzentration.
2 Standorte im Fokus
Für den Standort Cloppenburger Straße/Varrelbuscher Straße gilt der Status quo: Bei Ausnutzung der gesetzlichen Mindeststandards könnte Goldschmaus dort sogar 100 Betten unterbringen. Die Pläne sehen 76 Betten vor. Allerdings überschreiten die Pläne die Festsetzungen im Bebauungsplan. Im Klartext wären dort die bisherigen Pläne nicht genehmigungsfähig. Auch am Standort Auf’m Halskamp müsste der Bebauungsplan geändert werden. Um die Pläne für die Unterkünfte dort umsetzen zu können, müsste eine rund 500 Quadratmeter große Fläche hinzugekauft werden. Vorrang bei der Entwicklung sollen zunächst aber die Standorte Wätkamp und Cloppenburger Straße haben.
CDU-Fraktionschef Meyer betonte, Goldschmaus-Geschäftsführer Hempen zeige sich „durchaus kompromissbereit“.
Auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Elsen, das die Goldschmaus-Tochter BG Immobilien gekauft hatte, laufen bereits seit einigen Tagen Baumfällarbeiten. Es würden aber keine Bäume auf dem nebenliegenden Gemeinde-Gelände gefällt, hieß es am Dienstag aus der Gemeindeverwaltung. Nach Angaben von Anwohnern soll das aber nicht stimmen. Es soll sich sehr wohl auch um Gemeindefläche handeln.
Bartels stellt klar
Die Anwohner hatten in den vergangenen Wochen Unterschriften gegen die Unterkünfte gesammelt. Sie sollen am Freitag dem Bürgermeister übergeben werden. Bartels monierte in einer Pressemitteilung am Dienstag, die Unterschriftenaktion habe die Garreler Bevölkerung „stark verunsichert“. Ein deutlicher Verlust an Lebensqualität werden befürchtet. „Viele Unwahrheiten und Gerüchte habe ich in den letzten Tagen von besorgten Bürgern erfahren dürfen.“
Deshalb stellt der Verwaltungschef klar: Die Nennung der (überzogenen) Mieten sei ebenso falsch wie die Behauptung, die BG Immobilien plane die Errichtung von vier Bauvorhaben zur Unterbringung von 340 Schlachthelfern.
„Alle Bauvorhaben wären in dieser Form ohnehin nicht vom Landkreis genehmigt worden, weil sie nicht zu Art und Ausmaß der umliegenden Bebauung gepasst, bzw. nicht den Vorgaben des jeweiligen Bebauungsplanes entsprochen hätten.“ Alle Bauvorhaben würden, soweit bekannt, verändert und „teilweise deutlich kleiner geplant werden müssen, um überhaupt eine Baugenehmigung zu erhalten“, so Bartels weiter.
Richtig sei zwar, dass viele Arbeiter in umliegenden Gemeinden wohnten und in Bussen zur Arbeit nach Garrel gefahren würden. Ebenso richtig sei aber auch, dass „ein großer Teil dieser Menschen in teils sehr schlechten und überteuerten Unterkünften in der Gemeinde lebt“.
Eine ihm vorgeworfene „Politik der Einzelinteressen“ zugunsten von Goldschmaus gebe es nicht. Politik und Verwaltung bemühten sich um eine für alle Seiten verträgliche Lösung. Notwendige Änderungen der Bebauungspläne müssten öffentlich in den Gremien behandelt werden. Jeder Betroffene habe die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Aber: „Entsprechende Anträge liegen der Gemeinde Garrel bis heute nicht vor.“ Und auch für den Verkauf von Gemeindegrund an die BG Immobilien GmbH, gegen den sich die Anwohner aussprechen, seien mehrheitliche Ratsbeschlüsse erforderlich.
Bartels betont, die Übernahme der ehemaligen Leih- und Werkvertragsarbeiter sei „eine deutliche Verbesserung ihrer Arbeitssituation“. „Die Aufgabe, sie menschenwürdig unterzubringen, müsse ebenfalls von der Böseler Goldschmaus gelöst werden. Dazu habe der frühere Wirtschaftsminister Olaf Lies, Landrat Johann Wimberg und auch er, Bartels, seinerzeit Unterstützung zugesagt. Ebenso wichtig sei ihm aber, dass die Einwohner Garrels nicht um den Verlust ihrer Lebensqualität fürchten müssten. Für „für alle Menschen vertretbare Lösungen“ müsste laufend mit der BG Immobilien verhandelt werden.
