Garrel - Das Jahr 2019 hat für die Gemeinde Garrel wichtige kommunalpolitische Veränderungen gebracht. So wurde erstmals in der Geschichte der Gemeinde nach 1945 – die Gründung der CDU erfolgte am 28. März 1946 – mit Thomas Höffmann ein Bürgermeister gewählt, der nicht der CDU angehört.

Direkt nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden die Bürgermeister (hier Heinrich Kalvelage und Bernard Breckweg) von der englischen Besatzung eingesetzt. Die ersten Gemeindevertretungen/Räte nach dem Kriege wurden ebenfalls von den Besatzungsmächten eingesetzt. Kommunalwahlen fanden dann aber bereits 1946 statt.

In der britischen Besatzungszone, zu der auch Niedersachsen zählte, wurde durch die Militärregierungsverordnung Nr. 21 (MilRVO 21) die revidierte Deutsche Gemeindeordnung vom 1. April 1946 in Kraft gesetzt. Sie stützte sich auch auf das englische Gemeinderecht. Für Deutschland war dies ein neuer Verfassungstyp: die norddeutsche (britische) Ratsverfassung. Durch die neue Gemeindeordnung der Militärregierung wurde 1946 auch das Amt des Gemeindedirektors eingeführt. Der Bürgermeister war Vorsitzender des Gemeinderates. Die Verwaltung lag in Händen eines Gemeindedirektors, der keine Organeigenschaften in sich vereinigte. Man sprach demnach auch von einem Gehilfen des Rates, der die Verwaltungsgeschäfte leitete.

Der erste Gemeindedirektor war Josef Behrens, Petersfelder Straße, und zwar von 1947 bis 1962. 1963 gab es eine weitere Änderung der Gemeindeordnung, wobei dem Gemeindedirektor eigene Zuständigkeiten und Verantwortungsbereiche und damit die Organeigenschaft zugestanden wurden.

Am 3. April 1963 wurde Franz Wiese, der damals schon stellvertretender Gemeindedirektor in Garrel war, zum neuen Gemeindedirektor gewählt. Er blieb dann bis zum Jahre 1988 im Amt. Nachfolger wurde sein Stellvertreter im Rathaus, Ludger Mayhaus.

Während die Gemeindevorsteher und Bürgermeister in Garrel bis 2001 ehrenamtlich tätig waren, gab es nach der Änderung der Niedersächsischen Kommunalverfassung ab 1996 nach Abschaffung der „Zweigleisigkeit“ mit dem ehrenamtlichen Bürgermeister und hauptamtlichen Gemeindedirektor nunmehr den hauptamtlichen Bürgermeister und die „Eingleisigkeit“.

Der Übergang auf das neue Recht war gleitend, so dass für die Gemeinde Garrel die gesetzliche Änderung mit Ablauf der Amtszeit des Gemeindedirektors Ludger Mayhaus (1988 bis 2001) in Kraft trat. Die frühere zweigliedrige Gemeindespitze wird auch heute noch von Fachleuten oftmals als besser gelobt – so auch vom Autor dieser Zeilen. Seit 1996 ist „Bürgermeister“ in Niedersachsen ein gut bezahlter Job. Bedingungen für eine Wahl gibt es wenige; Fachwissen und -Kompetenz sind nicht unbedingt ausschlaggebend.

In den Jahren von 1933 bis 1945 arbeiteten die Nationalsozialisten ihre politische Auffassung (Führerprinzip) in die Kommunalverfassungsvorschriften ein. Es gab keine Abgeordneten, nur Ratsherren mit beratender Stimme. Die Entscheidungen traf letztlich der Bürgermeister ganz allein. Der Bürgermeister wurde auch nicht gewählt, sondern einfach berufen.

Informationen gerne melden

Bei diesem Bericht handelt es sich um einen Auszug einer umfangreichen Abhandlung, die im „Dörpblatt“ des Heimatvereins Garrel erscheinen wird. Sie basieren auf Daten von Franz Wiese.

Sollten zu den einzelnen Amtsinhabern, insbesondere auch zu den Gemeindevorstehern bis 1933, Informationen und Fotos vorliegen, möge man sie dem Heimatverein Garrel, Rolf Tapken, Sager Straße 3, Tel.: 04474/291, Mail: Rolf.Tapken@t-online.de zur Verfügung stellen. Sie werden nach Auswertung umgehend zurückgegeben.

Hier sind für Garrel die Bürgermeister Franz Willenbrink (1933 – 1938), Bürgermeister Johann Bernard Eckholt (1938 – 1940) und Bürgermeister Bernard Wendeln jun. (1940 – 1945) zu nennen. Während die Namen Willenbrink und Wendeln in Garrel bekannt sein sollten, stammte Bernhard Eckholt aus Brokstreek. Er war ab 1922 Abgeordneter des Oldenburgischen Landtages. 1930 legte er sein Mandat nieder. Später war er Geschäftsführer des Arbeitsamtes Cloppenburg. Eckholt, der zunächst der Zentrumspartei angehörte, trat 1937 in die NSDAP ein.