Bösel - Der Festsaal im Gasthof Sommer an der Bahnhofstraße in Bösel wird umgebaut. Deshalb wird er etwa für den Eröffnungsabend der Euro Musiktage – wie berichtet – nicht mehr zur Verfügung stehen.

In dem Saal, früher das Jugendhaus, wurde Geschichte geschrieben. Das Gebäude, das im Jahr 1930 in drei Monaten erbaut worden war, sollte in erster Linie von der Jugend genutzt werden können, es sollte aber auch den Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Den Anstoß für dieses Gebäude gegeben hatte Pastor Franz Sommer. Er hatte die Notwendigkeit für das Gebäude gesehen, das schließlich auch dank der großen Spendenfreudigkeit der Böseler gebaut werden konnte. Angeschlossen wurde eine Sportkegelbahn. Eingeweiht wurde das Jugendhaus am 22. Juni 1930, geht aus den Aufzeichnungen des Heimatfreundes Franz Schwalm hervor.

Noch in den 30er Jahren verkaufte die Katholische Kirchengemeinde das Haus. Auf der Bühne fanden schon in den ersten Jahren des Nationalsozialismus Wortgefechte statt. Auch Pastor Sommer spielte dabei eine nicht unbedeutende Rolle. Im Februar 1933 rief – so berichtete Franz Schwalm – Minister Spangemacher bei Pastor Sommer an und bat darum, das Jugendhaus für eine Parteiversammlung nutzen zu dürfen. Dort sollte auch Ministerpräsident Karl Röver sprechen. Zunächst schlug der Pfarrer diese Bitte aus. Als der Ministerpräsident selber anrief und erklärte, dass die Veranstaltung keine Parteiversammlung sein solle, stimmte Pastor Sommer zu – auch vor dem Hintergrund der damals akuten Verwaltungsreform.

Vor Beginn der Versammlung formulierte Pastor Sommer einige Forderungen, die der Ministerpräsident annahm. So sollte keine Parteikundgebung erfolgen, keine Kritik an der Zentrumspolitik geübt werden, und es sollten keine Dinge kritisiert werden, die in den Bereich seiner seelsorglichen Interessen fallen. Diese Forderungen wurden auch eingehalten.

Der Ministerpräsident sprach über die Verwaltungsreform. Offenbar eine gänzlich andere Veranstaltung gesehen hatten aber den „Nazis“ nahestehende Presseorgane wie „Freiheitskämpfer“ und „Völkischer Bobachter“. Sie berichteten von einer „Parteiversammlung“, in der Röver die weltanschaulichen Grundlagen des Nationalsozialismus dargelegt habe, die von Beifallsstürmen immer wieder unterbrochen worden seien. Pastor Sommer antwortete darauf: „Den faden Schmus über das Verhältnis von Kirche und Nationalsozialismus wollen wir ruhig übersehen. So etwas lockt keinen Hund vom Ofen.“

Auf der Rückfahrt von Bösel soll der Ministerpräsident gesagt haben: „In Bösel ist man angebunden wie ein Kettenhund.“

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)