Ganderkesee - Bei allem Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen: Der seit Wochen anhaltende Streik in vielen Kindergärten sorgt zunehmend für Rumoren in der Elternschaft – auch in der Gemeinde Ganderkesee.

Mit jedem Streiktag wachse der Unmut, stellt Timo Spille, Vorsitzender des Gemeindeelternrates für Kindertagesstätten, fest. Der Alltag werde durch­einandergebracht, die Kinder seien verunsichert, ihre Bindung zur Erzieherin werde gestört, beklagt Jenny Döpker, eine Mutter aus Ganderkesee, gegenüber der NWZ .

Jetzt wird der Arbeitskampf mit seinen Folgen auch zum Thema für die Politik: Die Fraktion UWG/Marbach hat beantragt, dass den Eltern die Kindergartengebühren für die während der Streikzeit nicht in Anspruch genommenen Dienste erstattet werden. Es sei nicht nachvollziehbar, so Ratsherr Christian Marbach, dass die Eltern die Gebühren nicht anteilig zurückbekommen, obwohl die Gemeinde Erzieherinnen und Erziehern für die Zeiten, in denen sie streiken, kein Gehalt zahle.

Im Ganderkeseer Rathaus werde zurzeit geprüft, ob und wie die Verwaltung „aufgrund der außergewöhnlichen Länge des Streiks den Eltern auf freiwilliger Basis entgegenkommen kann“, teilte Verwaltungssprecher Hauke Gruhn am Freitag mit. Anträge von Eltern auf Kostenerstattung seien aber noch nicht eingegangen. „Eine rechtliche Pflicht zur anteiligen Erstattung der Kitagebühren gibt es nicht“, stellte er klar.

Marbach sieht das anders: „Rechtlich geregelt ist im Sozialgesetzbuch, dass Kosten nur für tatsächlich erbrachte Leistungen anfallen dürfen.“ Andere Kommunen in der Region würden auf dieser Basis Gebühren an Eltern erstatten. Am Freitag erst hat zum Beispiel die Gemeinde Hatten mitgeteilt, dass sie das bei den streikenden Erzieherinnen eingesparte Geld an die Eltern auszahlen wolle.

Laut Christian Marbach wird für viele Familien die Lage immer schwieriger. Etwa im Kindergarten Schierbrok: Der dort eingerichtete Notdienst habe an einigen Tagen nicht ausgereicht, Plätze seien teilweise „nach dem Windhundprinzip“ vergeben worden. Manche Familien seien gezwungen, die Kinder gegen zusätzlichen finanziellen Aufwand anderweitig unterzubringen.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)