Butjadingen - Die Gemeinde Butjadingen soll den havarierten Krabbenkutter „Orion“ übernehmen, sollte sich kein Förder- oder Trägerverein finden, der sich die Rettung des 55 Jahre alten Schiffes auf die Fahne schreibt. Das hat jetzt der Gemeinderatsausschuss für Familie, Jugend, Sport und Kultur beschlossen.
Ratsherr Lambertus Poll (Unabhängige) hatte in der Sitzung einen entsprechenden Antrag gestellt. Er war auch der einzige, der dafür stimmte. Da sich jedoch alle anderen Ausschussmitglieder der Stimme enthielten, auch wenn sie Polls Anliegen keinesfalls unterstützen wollten, galt der Antrag als angenommen – und das Wort „einstimmig“ hatte plötzlich eine völlig neue Bedeutung erlangt.
Die „Orion“ war am 10. Oktober vergangenes Jahres im Fedderwardersieler Hafen gesunken (NWZ berichtete). Gerhard Bruns und Söhnke Thaden hatten daraufhin die Idee entwickelt, das Schiff als neues Wahrzeichen des Kutterhafens zu erhalten und in ein touristisches oder museales Konzept einzubinden. Die Gemeinde sollte die „Orion“ zu diesem Zweck übernehmen, so die Überlegung der beiden Männer. Ende Dezember hatte sich der Gemeinderat mit dem Anliegen beschäftigt, ohne aber zu einem Ergebnis zu kommen. Das Thema wurde zurück an die Fraktionen verwiesen.
Für die Ausschusssitzung, bei der die „Orion“ nun erneut auf der Tagesordnung stand, hatte Hauptamtsleiter Joachim Wulf allerlei Informationen gesammelt – die allerdings reichlich ernüchternd ausfielen und nicht unbedingt dafür sprechen, dass sich die Gemeinde den alten Kutter anlacht.
Joachim Wulf ging auf Haftungsfragen ein – sowohl für den Zustand, dass der Kutter noch im Hafen liegt, als auch für die Zeit nach der Bergung. Für beide Fälle muss sich die Gemeinde absichern. Die Kosten für die Bergung würde sich laut einem Angebot, das die Verwaltung eingeholt hat, auf 12 000 Euro belaufen. Weitere 15 000 Euro müsste die Gemeinde investieren, um das Schiff mittels Fundament und Stahlgerüst an Land so aufzustellen, dass es im Fall einer Überflutung nicht aufschwimmen kann.
Ungeklärt ist die Frage, wo die „Orion“ überhaupt aufgestellt werden soll. Die Untere Deichbehörde (Landkreis Wesermarsch) würde laut Wulff einem Standort binnendeichs in Höhe des Sieltores seine Zustimmung verweigern, bei einem Standort außendeichs auf der Nordwestseite des Hafens jedoch mitspielen. Der II. Oldenburgische Deichband hingegen halte den Standort außendeichs für „sehr kritisch“, dafür aber die Fläche binnendeichs beim Sieltor für machbar.
Martina Geberzahn, Hans-Gerd Gerdes (Grüne) und Jannes Bergsma (FDP) sprachen sich für die Rettung der „Orion“ aus – aber dagegen, dass dabei die Gemeinde alle Risiken und Kosten übernimmt. Lambertus Poll hielt dagegen. Es müsse etwas getan werden für die Attraktivitätssteigerung des Fedderwardersieler Hafens; dafür müsse die Gemeinde auch bereit sein, ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen.
