Ahlhorn - Ein Glas Sekt oder Saft, dazu eine herzliche Begrüßung mit Handschlag oder Umarmung von der Pfarreiratsvorsitzenden Maria Wübbeler – so begann für zahlreiche Besucher am Donnerstagabend der Neujahrsempfang im Pfarrheim der Herz-Jesu-Kirche in Ahlhorn.
Vor der obligatorischen Rückschau auf das Jahr 2014 mit Hunderten von Fotos stand die ebenso obligatorische Neujahrsansprache, in der die Pfarreiratsvorsitzende nicht an mahnenden Worten und Aufforderungen zur Selbstkritik sparte. Besonders an der Mitarbeit jedes und jeder einzelnen war Maria Wübbeler gelegen. Nicht jedes ehrenamtliche Engagement müsse gleich viel Zeit in Anspruch nehmen, auch kleine Beiträge zählten.
Eine christliche Gemeinde müsse die Menschen in ihrem Umfeld wahrnehmen, sich ihnen öffnen und sich für Benachteiligte und Notleidende einsetzen. Angesichts der Tatsache, dass Pakistan derzeit als größtes Aufnahmeland 1,6 Millionen Kriegsflüchtlinge aufnehme und die Türkei als fünftgrößtes Aufnahmeland immer noch über 600 000, dürfe man in Deutschland nicht von einer Überforderung durch die Aufnahme von Flüchtlingen sprechen, meinte die Pfarreiratsvorsitzende.
Auch die Missstände in der Fleischindustrie, auf die nicht zuletzt Prälat Peter Kossen im vergangenen Jahr zu Recht hingewiesen habe, sprach Maria Wübbeler an. Angesichts des Umgangs mit Saison- und Leiharbeitern, die zur Produktion der Wirtschaftsgüter ausgebeutet würden, müsse man schon von der Ware Mensch sprechen.
Und auch die kritischen Worte, die Papst Franziskus an die Kurie gerichtet hatte, legte die Pfarreiratsvorsitzende der katholischen Gemeinde zur Selbstkritik ans Herz. Kirche müsse unter völlig neuen Bedingungen gelebt werden und radikal anders werden, zitierte sie schließlich noch Ruhr-Bischoff Franz-Josef Overbeck. Diesen Prozess sollte die Gemeinde im positiven Sinn mitgestalten.
Neben den großen moralischen Fragen hatte Maria Wübbeler aber auch den Alltag in der Gemeinde im Blick. Der Weggang von Pfarrer Kintzinger, von dem sie Grüße ausrichtete, habe eine Lücke in der Gemeinde hinterlassen. Der derzeitige Vertreter, Pfarrer Egbert Schlotmann, habe sich in der Pfarrgemeinde so sehr engagiert, dass die Gemeinde bisweilen vergesse, dass sie noch immer ohne Pfarrer ist.
Neben Schlotmann dankte sie auch Pfarrer Hermann Bergmann, der jetzt auf 50 Jahre priesterlicher Tätigkeit zurückschauen kann, und Pfarrer Bögershausen, der im vergangenen Jahr nach Ahlhorn gezogen ist, für ihren Einsatz für die Gemeinde – ebenso wie allen ehrenamtlichen Unterstützern.
