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NWZonline.de Nachrichten Politik

Wettrüsten im Weltraum

19.03.2019

Genf Der Kampf um die militärische Dominanz des Weltraums ist entbrannt: China, Russland und die USA haben ehrgeizige Programme. Experten beraten im Rahmen der UN-Abrüstungskonferenz in Genf jetzt darüber, wie ein Wettrüsten im Weltraum verhindert werden kann.

Was genau sind Weltraumwaffen?

Das zu definieren ist eines der Probleme. Dazu dürften Laser gehören, die Satelliten außer Gefecht setzen können, satellitengestützte Raketen, die Ziele auf der Erde treffen, und Satelliten mit Sprengladung, die andere Weltraumobjekte zerstören können.

Wer arbeitet schon an solchen Programmen?

„Die USA sind dominant im Weltraum, aber Russland und China sind ebenfalls aktiv“, sagt Götz Neuneck vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH). „Vieles findet aber im Geheimen statt.“ Der US-Militärgeheimdienst Nasic schreibt: „(China und Russland) sind dabei, raffinierte Anti-Satelliten-Waffen zu entwickeln, zu testen und weiterzuverkaufen, die Systeme im von den USA und von Verbündeten kontrollierten Weltraum bedrohen.“

Gründet Trump deshalb seine „Space Force“?

Genau. US-Präsident Donald Trump will nicht nur eine im Weltraum stationierte Abwehr von feindlichen Raketen: „Es wird ein wichtiger Bestandteil unserer Defensive, aber auch unserer Offensive“, kündigte er im Januar an. Geplant ist eine sechste Teilstreitkraft – die „Space Force“, neben Armee, Marine, Luftwaffe, Marineinfanterie und Küstenwache. Ganz neu ist das nicht: Die Teilstreitkräfte haben auch bislang schon Einheiten, die sich mit Aktivitäten im Weltraum beschäftigen.

Was ist die Reaktion auf Trumps Ankündigung?

„Die Militarisierung des Weltraums ist der Weg in die Katastrophe“, sagt der Verteidigungsexperte im russischen Föderationsrat, Wiktor Bondarew. China reagierte ähnlich – ohne dass beide ihre eigenen Aktivitäten offenlegen. „Die USA forcieren mit Trumps Ankündigung und Milliardeninvestitionen die Ängste Chinas und Russlands“, sagt IFSH-Experte Neuneck. „Trump stößt die Tür zu einem neuen teuren und gefährlichen Offensiv-Defensiv-Wettrüsten mit Russland und China auf.“

Sind die Genfer Gespräche auch eine Reaktion?

Nein. Es gibt schon seit Jahrzehnten Pläne für einen PAROS­-Vertrag. Das steht für „Prevention of an Arms Race in Outer Space“, also die Verhinderung eines Rüstungswettlaufs im Weltraum. „Fahrt gewann das Thema, weil China und Russland 2014 bei der UN-Abrüstungskonferenz einen Entwurf präsentierten“, sagt der Leiter der Genfer Gespräche, Brasiliens Botschafter Guilherme de Aguiar Patriota. Die westlichen Länder haben den Entwurf abgelehnt. Gegen ihren Willen wurde die Expertengruppe aber im Sommer 2018 eingesetzt.

Gibt es nicht schon einen Weltraumvertrag?

Ja, seit 1967. Er bekräftigt die friedliche Nutzung des Weltraums. Angesichts neuer Technologien und Akteure sehen viele Länder aber den Bedarf, ihn zu ergänzen. Der Weltraum werde für das Militär immer wichtiger, sagt Patriota. Fast kein Militär der Welt komme mehr ohne Satelliten aus. Satelliten sind auch „dual use“-Objekte, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können, zum Beispiel als Wetter- oder als Spionagesatellit.

Wie könnte so ein PAROS-Vertrag aussehen?

Weil die Entwicklung von Waffen so rasant vorangeht, glauben viele, dass das Verbieten bestimmter Waffentypen nicht reicht. Besser sei es, allgemeiner den Einsatz von Objekten im Weltall für kriegerische Zwecke zu verbieten. Denkbar wäre etwa, alle Objekte im Weltraum zu verbieten, es sei denn, sie dienen erlaubten Zwecken: Forschung, Telekommunikation, Geo-Ortung oder Ähnlichem.

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