Nordenham - Der verstärkte Zustrom an Asylbewerbern, die sich in Deutschland eine neue Existenz aufbauen wollen, lässt auch in Nordenham die Zahl der Flüchtlinge steigen. Das Land Niedersachsen hat die Zuteilungsquote erhöht, so dass die Städte und Gemeinden mehr Neuankömmlinge zugewiesen bekommen. Der Anteil der Flüchtlinge aus Syrien ist in Nordenham allerdings noch gering. Zurzeit halten sich lediglich vier Asylbewerber aus dem arabischen Staat, in dem seit Monaten ein Bürgerkrieg tobt, in der Unterweserstadt auf.
Refugium informiert
Über die aktuelle Situation der Flüchtlinge hat Sozialamtsleiter Rudolf Müller am Mittwochabend im Ratssaal einen Bericht vorgetragen. Anlass war eine Sitzung des Soziausschusses, in der das Thema auf Antrag der Linken behandelt wurde. Auch drei Vertreter des Refugiums Wesermarsch, das neu ankommende Asylbewerber betreut und ihnen Hilfestellungen bei der Integration gibt, nahmen an der Zusammenkunft teil.
Der 2. Vorsitzende Rainer Ziegler, der Integrationsberater Sivalingam Sireetharan und die Flüchtlingssozialarbeiterin Arid Bajohr informierten über die Arbeit des Refugiums Wesermarsch. Dabei machten sie deutlich, dass die vor 30 Jahren gegründete Einrichtung ohne ehrenamtliche Unterstützung ihre vielfältigen Aufgaben nicht bewältigen könnte. Dankbar nahmen sie zur Kenntnis, dass der Landkreis Wesermarsch seine Zuwendungen an das Refugium aufstocken will.
Weil die Sprachbarrieren oftmals ein großes Problem darstellen und der Dolmetscher-Pool des Refugiums begrenzt ist, wünschen sich Rainer Ziegler und seine Mitstreiter, dass die allgemeinbildenden Schulen in der Wesermarsch dem Vorbild des Berufsbildungszentrums in Brake folgen und ebenfalls Sprachlernklassen einrichten.
Angesichts der steigenden Asylbewerberzahlen werden vermehrt Gebrauchtmöbel für die Wohnungen benötigt. Besonders gefragt sind Einzelbetten und Kleiderschränke. Zudem würde sich das Refugium über gespendete Fernsehgeräte und Fahrräder freuen. Wer auf diese Weise den Flüchtlingen helfen möchte, sollte sich unter
Nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Rudolf Müller leben derzeit 112 Asylbewerber in Nordenham, die sich auf 58 Haushalte verteilen. Mit 16 weiteren Flüchtlingen rechnet er bis Ende des Jahres. Damit wäre die bisherige, im Juni angeordnete Zuteilungsquote für Nordenham erfüllt. Doch inzwischen gibt es eine neue Anweisung, nach der die Stadt Nordenham noch ab Dezember etwa 66 weitere Asylbewerber aufnehmen muss. Die Quoten gelten meistens für rund sechs Monate und werden je nach Bedarfslage verändert.
Da viele Flüchtlinge nur vorübergehend geduldet sind und keine Aussicht auf eine Asylanerkennung haben, beträgt deren Aufenthaltszeit oft nur zwei bis drei Monate. So ist es zu erklären, dass trotz der erhöhten Zuteilungsquote die Zahl der in Nordenham untergebrachten Asylbewerber vergleichsweise gering ist. Zum Jahreswechsel 2013/2014 hielten sich 96 Antragsteller in der Unterweserstadt auf – 16 weniger als jetzt. Zu den Hochphasen Anfang der 90er-Jahre waren es um die 300.
Die Unterbringung der Asylbewerber ist laut Rudolf Müller kein Problem, weil genügend Wohnungen zur Verfügung stehen. Diese angemieteten Wohnungen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Die Kosten bekommt die Stadt Nordenham vom Landkreis erstattet.
Viele Balkanflüchtlinge
Die Herkunft der Flüchtlinge ist sehr unterschiedlich. In Nordenham sind Asylbewerber aus der Balkanregion und anderen osteuropäischen Ländern am häufigsten vertreten. Laut Rudolf Müller ist aktuell festzustellen, dass der Anteil der Afrikaner zunimmt.
