Von Olaf Reichert
Frage:
Herr Gerke, immer mehr deutsche Firmen mit Traditionsnamen machen schlapp, zuletzt Agfa Photo. Woran liegt das?Gerke:
Das liegt einerseits an der Internationalisierung der Märkte, die die Branchen dazu gezwungen hat, sich intensiv umzustellen. Zudem sind gerade bei den Personalkosten andere Standorte deutlich attraktiver geworden als Deutschland. Aber man muss leider sagen, dass zum größten Teil Fehler des Managements zum Niedergang geführt haben.Frage:
Was für Fehler?Gerke:
Die Welt ändert sich schnell. In anderen Ländern hat man sich innovativer verhalten und schneller darauf eingestellt, nicht nur im Niedriglohnbereich sondern auch in High-Tech-Bereichen. In der Informationstechnologie etwa ist Indien sehr attraktiv geworden. Deshalb darf man jetzt nicht die Schuldigen bei ausländischen Hedgefonds suchen, die deutsche Firmen kaufen. Man muss die Schuld bei sich selber suchen.Frage:
Wie kann es sein, dass Manager trotz intensiver Kontakte ins Ausland internationale Trends verschlafen?Gerke:
Vielleicht funktioniert die Kontrolle nicht richtig. Ich kann nicht verstehen, wie im Fall Agfa Photo das Management noch vor einem halben Jahr sagen konnte, es sei alles in Ordnung. Und jetzt sagen die selben Leute: Wir sind am Ende. Hierzu hätte es nicht kommen müssen, wenn die Inhaber besser kontrolliert hätten.Frage:
Ist das ein rein deutsches Problem?Gerke:
Nein, wenn man sich in dem vom Kapitalmarkt getriebenen Land USA umschaut, sieht man, was sich dort Manager geleistet haben, etwa bei WorldCom und Enron. Im Durchschnitt werden Manager in angelsächsischen Ländern aber effizienter kontrolliert als in Deutschland. Nehmen Sie nur Daimler-Chrysler. Dort hätten Vertreter deutscher Investmentfonds viel früher Zweifel am Management äußern und auf Hauptversammlungen entsprechend handeln müssen. Stattdessen haben sie mit dem Management gestimmt. Das wäre in den USA unmöglich.Der Niedergang deutscher Unternehmen ist zum größten Teil auf Fehler des eigenen Managements zurückzuführen. Das sagt der Erlanger Ökonomieprofessor Wolfgang Gerke.
