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Ausstellung Geschichte greifbar machen

Tanja Henschel

Barßel - „Ich bin Deutsche“, antwortete Dr. Anna Reichenbach auf die Frage, ob sie sich eher als Russin oder Deutsche fühle. Die 61-Jährige, die seit 1998 in Barßel lebt, wurde nämlich in Russland geboren. Die Zahnärztin zählt zur Gruppe der sogenannten Deutschen Aussiedler oder Spätaussiedler – Zuwanderer mit deutschen Wurzeln aus einem Staat des Ostblocks.

Die Ratsfrau war es auch, die vornehmlich die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ in die Aula nach Barßel holte. Am Dienstag fand die Eröffnung mit Vorträgen und Gesprächen statt. Auch Volkslieder wurden mithilfe der Neptunsänger angestimmt.

In Sibirien sei sie aufgewachsen, sagte Reichenbach. Rund 20 Jahre verbrachte sie im Arbeitslager in Workuta. 1995 kam sie mit drei Kindern und einer kranken Mutter nach Deutschland.

Aufeinander zugehen

Man müsse auf die Menschen zugehen, wie es Reichenbach getan habe, sagte Projektleiter Jakob Fischer von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die das Projekt präsentiert. Das müsse aber von beiden Seiten gewünscht sein, dann könne Integration gelingen.

Rund 450 Personen leben in der Gemeinde Barßel, deren zweite Staatsbürgerschaft russisch ist, sagte Bürgermeister Nils Anhuth. „Beispiele für eine gelungene Integration gibt es auch bei uns.“ Viele Spätaussiedler engagieren sich in Vereinen oder wie Reichenbach im Rat. „Wir müssen aber auch aufpassen, dass sich keine Parallelgesellschaften bilden.“ Damit sprach Anhuth die Flüchtlingssituation an. Integration dürfe keine Einbahnstraße sein, es müsse von beiden Seiten daran gearbeitet werden.

Inzwischen lebe die dritte Generation der Spätaussiedler hier, sagte Werner Sandmann, Schulleiter der IGS Barßel. Sie seien mittlerweile gut integriert. Neun Klassen erhalten nun eine Führung durch die Ausstellung, um sich über die geschichtlichen Hintergründe zu informieren.

Rund 20 000 Spätaussiedler leben im Kreis Cloppenburg, sagte Fischer. In einem historischen Rückblick gab er Einblick in die Ausstellung, von der Gründung der ersten deutschen Kolonien im 18. Jahrhundert in Russland über die Zeit des wirtschaftlichen Wohlstands im 19. Jahrhundert sowie die Verfolgung und Deportation nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute.

Schicksale gezeigt

Die Geschichte der Deutschen aus Russland werde anhand von Schicksalen einiger Familien nachgezeichnet, die von Verfolgung und Entrechtung geprägt war. Auch Beispiele von Erfolgsgeschichten russlanddeutscher Künstler und Sportler, wie Regisseurin Anna Hoffmann oder Sängerin Helene Fischer, werden gezeigt. Die Ausstellung wird unterstützt vom Bundesministerium des Innern sowie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Noch bis Freitag, 28. Oktober, ist die Ausstellung in der Aula des Schulzentrums zu sehen.

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