Oldenburg - Bei den Grünen gibt es Stimmen sowohl für als auch gegen einen Trassenneubau. Ratsfrau Rita Schilling verwies auf die Belastungen, die mit der aktuellen Trassen-Planung verbunden sind. „Ich kann mir nicht vorstellen, einer Lösung zuzustimmen, die Wohngebiete schlechter stellt als bisher.“ Renate Heim (BUND) äußerte Zweifel an der Einschätzung, Probleme für Natur und Umwelt seien leicht zu lösen. „Da scheint mir manches nicht zu Ende gedacht.“ Deutlicher wurde Harald Helmerichs-Bunjes: „Ich habe den Eindruck, dass uns Armin Frühauf vor sich hertreibt. Das ist nicht mehr meine Partei.“

Frühauf hatte zuvor in einer mehr als einstündigen Präsentation die Bahndebatte zusammengefasst und leidenschaftlich für die Trassenlösung geworben. Eindringlich warnte er vor den massiven Beeinträchtigungen durch wachsenden Güterzugverkehr durch Oldenburg.

Frühauf sieht alle sachlichen Argumente auf Seiten eines Trassenneubaus. Es sei bislang nicht gelungen, sie in der öffentlichen Diskussion ausreichend überzeugend zu präsentieren.

Susanne Menge (MdL) nahm Frühauf in Schutz vor dem Vorwurf, seine Aussagen seien zum Teil wenig belastbar. Menge: „Die Kritik trifft nicht zu. Wie sonst hätte er beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig diesen Erfolg erzielen können?“

Sebastian Beer, Sprecher der Grünen im Rat, räumte ein, dass die jüngsten Gutachten die Debatte nicht einfacher gemacht hätten. Zuvor hatte Frühauf den Begriff der „juristischen Trasse“ erläutert. Damit gemeint ist, dass die gutachterliche Trassenplanung die Stadt im Planfeststellungsverfahren unterstützen soll. Erwartet werde, dass der endgültige Trassenverlauf günstiger ausfallen werde als der bislang geplante.

Nach mehr als zweistündiger Debatte beendete Hiltrud Neidhardt vom Parteivorstand den Meinungsaustausch mit der Ankündigung, künftig regelmäßig zu Informationsveranstaltungen zum Bahnthema einzuladen. Sie griff einen Hinweis von Rita Schilling auf, dass dieses Thema „das Potenzial habe, die Partei zu spalten“. Der Abend habe den großen Bedarf an dieser Diskussion gezeigt, sagte Neidhardt.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)