Hannover/Dresden/Suhl/Bonn - Die Situation in den Flüchtlingsheimen in Deutschland spitzt sich dramatisch zu. Am Wochenende kam es in mehreren Einrichtungen zu Gewaltaktionen.
So gingen in der für Flüchtlinge eingerichteten Zeltstadt in Dresden-Friedrichstadt am Sonnabend etwa 100 Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien mit Gegenständen wie Tischen, Stühlen und Pflastersteinen aufeinander los. Dabei wurden acht Personen verletzt. Die Ursache des Streits war nicht bekannt.
In Bonn hat ein Spezialeinsatzkommando der Polizei am Sonnabend nach einem Streit zwischen zwei Bewohnern eines Flüchtlingsheims auf den Angreifer geschossen und ihn schwer verletzt. Der 23 Jahre alte Mann aus Guinea sei mehrfach in Arm und Schulter getroffen worden, berichtete die Polizei am Sonntag. Sein Zustand sei stabil.
Die Situation war eskaliert, als der Flüchtling aus dem Fenster einer Küche sprang und mit zwei Messern bewaffnet auf die Polizisten zulief, die an einer Absperrung zur Straße standen.
In der Suhler Erstaufnahmestelle für Asylbewerber kam es am Sonnabend zu einem gewaltsamen Streit unter rund 80 Flüchtlingen. Nach Angaben der Thüringer Polizei waren an der Auseinandersetzung Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und Albanien beteiligt. Acht Personen wurden verletzt, darunter zwei Mitarbeiter des Wachdienstes. 23 Bewohner wurden auf Anordnung der Behörden in eine andere Unterkunft gebracht.
Angesichts der dramatischen Lage fordert Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) ein Moratorium für alle Gesetze, die die Beschaffung von Unterkünften für Flüchtlinge erschweren. „Ich bin gerade dabei, eine Liste mit Bundes- und Landesgesetzen vorzubereiten, die uns bei der Bewältigung dieser Herausforderung behindern oder zu viel Zeit kosten“, sagte der SPD-Politiker.
