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NWZonline.de Nachrichten Politik

Chronologie eines tödlichen Versagens

18.08.2018

Gladbeck /Bremen Das Geiseldrama von Gladbeck steht für vieles: für das Versagen der Polizei, für den Verlust des moralischen Kompass der Medien, für einen einzigartigen Kriminalfall, den Millionen Menschen in Zeitungen, Radio, Fernsehen oder direkt vor Ort mitverfolgt haben, und nicht zuletzt für ein Verbrechen zweier skrupelloser Bankräuber, die zu Mördern wurden und die Leben von gut 30 Geiseln und ihrer Angehöriger veränderten. 30 Jahre danach erinnern sich viele an das Geschehen, das die Menschen in Atem hielt.

NWZonline hat den Verlauf der drei Tage für einen historischen Rückblick über Whatsapp nachgezeichnet. Die darin verwendete Chronik finden Sie hier:

Dienstag, 16. August 1988

Hans-Jürgen Rösner (31) und Dieter Degowski (32) überfallen gegen 8 Uhr eine Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck. Als sie vor dem Gebäude einen Polizeiwagen entdecken, entschließen sie sich, zwei Bankangestellte, einen 34-Jährigen und eine 23-Jährige, als Geiseln zu nehmen.

Die Beamten evakuieren in der Folge u.a. einen Kindergarten, das Gelände wird weiträumig abgeriegelt. Die Telefonleitung in die Bank bleibt hingegen offen. Die Täter verlangen 300.000 DM und einen Fluchtwagen. Telefonisch verhandeln sie mit der Polizei.

In dieser Bank in Gladbeck begann das Geiseldrama. Hier wird gerade eine Wohnung evakuiert. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Die beiden Gangster verschanzen sich im Gebäude, es gibt keine freie Sicht für die Polizisten auf die Täter und die Geiseln. Ein Zugriff ist nicht möglich.

Rösner und Degowski zwingen die Geiseln, bei Zeitungen und TV-Sendern anzurufen. Sie sollen Druck auf die Polizei ausüben oder Vermittlerrollen einnehmen.

Aber auch erste Medienvertreter rufen in der Bank an, wollen mit den Geiselnehmern und den Geiseln sprechen.

Einige Stunden lang führen Journalisten von Zeitungen sowie Fernseh- und Radiosendern Interviews mit Tätern und Opfern.

Ein Beispiel: „Hier ist Hans Meiser, Deutsches Fernsehen, guten Tag. Kann ich bitte einen der Geiselgangster sprechen. Wer sind Sie denn, bitte?“ „Wer wohl? Der Bankräuber!“ „Sie sind der Bankräuber? Wo wollen Sie denn hinfahren?“

Meiser hat sogar noch einen Tipp parat: „Man kann Sie ja mit Hubschraubern verfolgen.“ Er bleibt nicht der einzige Journalist, der anruft.

TV-Moderator Hans Meiser erinnert sich an seinen Anruf in der Bankfiliale in Gladbeck:

In der Zwischenzeit erkennen die Polizisten die Stimme des ersten Täters: Hans-Jürgen Rösner.

Gegen 17.30 Uhr lenkt die Polizei ein. Ein nur mit Badehose bekleideter Polizist legt das geforderte Geld, Handschellen für die Geiseln und den Tresorschlüssel vor dem Eingang der Bank ab. Die männliche Geisel holt alles, auf dem Boden liegend, in die Bank. Er hat ein Kabel um den Hals gebunden, wird von Rösner mit der Waffe bedroht.

Wie von den Gangstern gefordert, überbringt ein PolizeibamterDas geforderte Geld sowie den Schlüssel zum Tresor. Foto: dpa

Im Tresor der Bank bedienen sich die Gangster, sammeln die Geldkassetten aus Gladbecker Geschäften ein. Darin befinden sich circa 120.000 Mark.

Später fährt auch der Fluchtwagen vor, ein weißer Audi. Am Auto ist ein Peilsender angebracht, mit dem die Polizei die Position der Gangster orten kann. Im Auto befinden sich Wanzen, um sie abhören zu können.

Dieter Höhbusch, damaliger Düsseldorfer Kriminaloberrat, erinnert sich: „Situation bis zur Kaperung des Busses war bei Geiselnahmen damals nichts Ungewöhnliches“:

Mit den beiden Geiseln und gut 420.000 Mark Beute verlassen Rösner und Degowski um 21.47 Uhr im Fluchtwagen den Tatort. Das heute-Journal zeigt in diesem Moment Live-Bilder aus Gladbeck.

Das Sondereinsatzkommando der Polizei greift nicht ein. Die Taktik der Polizei ist, den Geiselnehmern zunächst das Gefühl zu geben, entkommen zu sein – in der Hoffnung, dass die Geiseln dann freigelassen würden.

Anhand der Gespräche im Wagen identifiziert die Polizei Dieter Degowski als zweiten Täter.

Um 21.56 Uhr nimmt die Polizei die Verfolgung in sicherer Entfernung auf, einige Journalisten folgen. Die Gangster fahren derweil anscheinend ziellos durch Nordrhein-Westfalen.

Mittwoch, 17. August 1988

In der Nacht wechseln die Geiselgangster mehrmals das Auto und holen die Freundin Rösners, Marion Löblich, aus Gladbeck ab. Mit ihr fahren sie in Richtung Bremen, wo die Eltern der 34-Jährigen wohnen.

Gegen 8.30 Uhr frühstücken Gangster und Geiseln in einem Café in Hagen. Als sie das Café verlassen, tauchen die ersten Reporter dort auf.

Der Besitzer des Cafés und die damalige Bedienung erzählen von diesem Morgen:

Um 13 Uhr erreichen die Gangster Bremen. Im Stadtteil Vegesack gehen Löblich und Rösner einkaufen, Degowski bleibt bei den Geiseln. Dort schläft er kurzzeitig ein und verlässt auch kurz den Wagen. Ein Zugriff durch die Polizei erfolgt jedoch nicht.

Als die Entführer weiterfahren, verlieren die ortsunkundigen Polizisten aus Nordrhein-Westfalen immer wieder die Spur. Noch haben sie die Einsatzleitung inne. Bremer Journalisten kennen sich hingegen aus und bleiben an dem Wagen dran.

Bei einer Autovermietung in Delmenhorst besorgen sich die Gangster gegen 17 Uhr einen neuen Fluchtwagen, einen blauen BMW.

Friedhelm Meise, Einsatzleiter der Gladbecker Polizei, appelliert derweil an die Presse, nicht mehr über das Geschehen zu berichten, bis die Geiseln freigekommen bzw. die Täter überwältigt sind.

Von einem Gemüseladen im Ortsteil Huckelriede aus versuchen die Täter gegen 18.20 Uhr, Kontakt zur Polizei aufzunehmen. Sie lassen die männliche Geisel die Nummer 110 wählen. Er bittet darum, die Verfolgung einzustellen, da die Täter wieder nervös würden. Der Beamte am anderen Ende der Leitung scheint mit der Situation überfordert zu sein, gibt aber an, die Information weiterleiten zu wollen. Rösner geht dazwischen und droht, mehr Geiseln zu nehmen, sollte die Polizei ihre Leute nicht abziehen.

Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) schlagen einen Zugriff vor, die Polizeiführung lehnt dies ab.

Die Umsteigestelle in Huckelriede wird derweil nicht geräumt. Als einer der Täter einen Warnschuss abgibt, versucht die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) auf eigene Faust, Busse und Straßenbahnen abzuziehen.

Um kurz vor 19 Uhr übernimmt die Bremer Polizei die Einsatzleitung.

Ein Bus der Linie 53 hält um 19 Uhr an einer roten Ampel, als Rösner auf den Bus zugeht und mit der Waffe droht. Nun sind über 30 Menschen in der Gewalt der Gangster. Auf dem Platz vor dem Bus sind jede Menge Schaulustige und Medienvertreter zu sehen. Sie filmen und fotografieren den Bus und die Geiseln – noch nur von außen.

Die Polizei hindert niemanden, in die Nähe des Tatorts zu gelangen. Ein Junge auf einem Fahrrad nähert sich dem Eingang des Busses, um einen Blick auf die Gangster erhaschen zu können. Andere Passanten bieten den Geiselnehmern Getränke an, fragen nach Zigaretten und Geld.

Rösner ruft den Bremer Fotografen Peter Meyer zu sich. Er wird nun zum Vermittler zwischen Gangstern und Polizei. Einen direkten Kontakt gibt es zu der Zeit nicht mehr.

Meyer macht die ersten Fotos von der Situation im Bus. Ihm folgen mehrere andere Fotografen und Kameraleute. Sie stehen vor dem Bus Schlange.

Dann bitten Journalisten Rösner zum Interview. Der beantwortet Fragen wie bei einer Pressekonferenz, setzt sich zu Journalisten ins Auto, die Kameras zeichnen alles auf. Eines der Interviews wird am Abend in den Tagesthemen und im heute-Journal gezeigt:

„Ich scheiß auf mein Leben“, spricht Rösner ins Mikro. „Und die anderen? Die Unschuldigen?“, fragt ein Reporter nach. Rösner verdreht die Augen und nuschelt: „Da kann ich nichts für.“

Hans-Jürgen Rösner gibt dem Reporter Peter Wüst ein Interview. Foto: Thomas Wattenberg/dpa

Beamte des MEK beobachten das Geschehen und machen eine „Vielzahl an Zugriffsmöglichkeiten“ für die Polizei aus, vermissen aber klare Vorgaben und Informationen seitens der Polizeiführung.

Weil kein Kontakt zur Polizei zustande kommt, werden die Gangster zunehmend nervös und aggressiv. Um 21 Uhr bedroht Rösner ein neunjähriges Mädchen mit der Waffe und verlangt, mit der Polizei zu sprechen: „Wenn keiner kommt, knall’ ich sie weg!“

Vermittler Peter Meyer versucht verzweifelt, die Polizei telefonisch zu erreichen, doch niemand nimmt ab. Um 22 Uhr fährt der Bus ab.

Eine Dreiviertelstunde später hält der Bus an der Autobahnraststätte Grundbergsee an der A1 zwischen Bremen und Hamburg. Die Gangster, die von Augenzeugen als angetrunken beschrieben werden, wollen sich mit Nahrungsmitteln eindecken. Ihre Komplizin Marion Löblich geht zur Toilette.

Im Austausch gegen den Fotografen Peter Meyer und einen weiteren Journalisten lassen die Geiselnehmer die beiden Bankangestellten aus Gladbeck frei. Sie waren seit 39 Stunden in deren Gewalt.

Degowski bedroht die Geisel Silke Bischoff, eine 18-Jährige aus Bremen, mit der Waffe und geht mit ihr vor den Bus. Dort kommt es erneut zu einem „Interview“. Ein Journalist fragt: „Wie geht es Ihnen mit der Pistole am Hals?“

Zwischen Einsatzleitung in Bremen und den Einsatzkräften vor Ort besteht kein Funkkontakt. Eigenmächtig entscheiden sich Beamte, Marion Löblich in der Raststätte zu überwältigen.

Als den Gangstern nach einigen Minuten auffällt, dass ihre Komplizin nicht zurückkommt, stellen sie ein Ultimatum von 5 Minuten, sonst würde eine Geisel erschossen. Die Polizei hat Löblich aber bereits ans andere Ende der Raststätte gebracht. Die Freilassung wird angeordnet, verzögert sich allerdings, als der Schlüssel zu den Handschellen abbricht.

Dann fällt ein Schuss, Degowski schießt dem 14-jährigen Emanuele de Georgi in den Kopf. Der Junge stirbt zwei Stunden später an seinen Verletzungen. Dem Bus sind Polizisten und Dutzende Journalisten gefolgt - ein Rettungswagen ist nicht darunter.

Auf dem Weg zum Einsatzort verunglückt zudem ein Polizeiwagen: Ein Polizist stirbt, zwei weitere werden verletzt.

Um 23.10 Uhr verlässt der Bus die Raststätte wieder.

Donnerstag, 18. August 1988

Die Polizei und unzählige Presseleute verfolgen den Bus mit den Geiseln in der Nacht auf der Autobahn A1. Kurz vor Osnabrück schießen die Geiselnehmer auf das Taxi des Oldenburgers Erhard Grieger, der den dpa-Korrespondenten Manfred Protze mitgenommen hatte. Beide bleiben unverletzt.

An der deutsch-niederländischen Grenze bei Gronau werden die Journalisten gegen 3 Uhr gestoppt. Dennoch schaffen es ca. 50 bis 100, über Schleichwege zum Aufenthaltsort des Busses in einem Waldstück nahe dem niederländischen Oldenzaal zu gelangen. Auch hier filmen und fotografieren sie das Geschehen.

4.30 Uhr: In Verhandlungen mit der niederländischen Polizei bekommen die Gangster einen BMW als Fluchtwagen zugesichert, im Gegenzug sollen sie alle Geiseln bis auf zwei freilassen.

Beim Umladen ihrer Beute in den BMW löst sich ein Schuss aus Rösners Waffe, der Marion Löblich im Oberschenkel trifft. Daraufhin entwickelt sich eine kurze Schießerei zwischen Rösner, Degowski und der Polizei. Per Funk kann die Situation beruhigt werden.

Um kurz vor 7 Uhr fahren die Gangster im BMW weiter in Richtung Deutschland. Mit ihnen sitzen nur noch Silke Bischoff und eine weitere weibliche Geisel in dem Fahrzeug. Für die anderen Insassen des Busses ist das Geiseldrama hier nach 12 Stunden beendet.

Gegen 11 Uhr erreichen die Verbrecher Köln. Rösner sagt später, er habe einmal den Dom sehen wollen. In der Fußgängerzone bleibt der Wagen der Geiselnehmer für Journalisten und Neugierige zugänglich, die Polizei sperrt den Bereich nicht ab. Passanten schlecken an ihrem Eis, während nur wenige Meter weiter zwei Menschen um ihr Leben bangen.

Der Wagen mit den Geiselnehmern wird in Köln von Journalisten und Passanten umringt. Foto: Hartmut Reeh/dpa

Degowski sitzt auf dem Rücksitz zwischen den beiden Geiseln, bedroht Silke Bischoff immer wieder mit seiner Waffe. Rund um das Auto stehen Hunderte Schaulustige und Presseleute. Sie filmen, fotografieren und interviewen Täter und Geiseln. Dadurch bilden sie einen Schutzschild um den Wagen gegen den Zugriff durch die Polizei. Ein Fotograf bittet Degowski, Silke Bischoff erneut die Waffe an den Kopf zu halten, er habe das Motiv vorher nicht einfangen können.

Auch mit Silke Bischoff sprechen Journalisten. Befragen die 18-Jährige, der Degowski seine Waffe an den Hals hält:

Wie es ihr gehe.

Ob sie Angst habe.

Zivile Beamte tarnen sich als Fotografen. Einen Zugriff wagen sie allerdings nicht, da Rösner auch immer wieder mit der Waffe auf Umstehende zielt. Das Risiko sei zu groß gewesen, gibt der Leiter des Sondereinsatzkommandos später bekannt.

Nach fast zwei Stunden wollen Rösner und Degowski weiterfahren und fragen Udo Röbel, stellvertretender Chefredakteur des Kölner Express, ob er ihnen den Weg zur Autobahn zeigen könne. Röbel räumt den Gangstern den Weg frei, steigt in den Wagen und lotst sie aus der Stadt. Der BMW verlässt Köln auf der Autobahn A3 in Richtung Frankfurt. Ihm folgen Polizisten und Journalisten. An einer Raststätte verlässt Röbel den Wagen wieder.

Hans-Jürgen Rösner droht in der Innenstadt von Köln mit der Waffe, um die Journalisten und Passanten zu vertreiben. Hinter Rösner steht der Journalist Udo Röbel, der sich später zu den Verbrechern ins Auto setzte. Foto: Hartmut Reeh/dpa

Rösner teilt den Geiseln derweil mit, dass sie am Abend freigelassen würden.

In den vergangenen 54 Stunden hat es immer wieder Zugriffsmöglichkeiten gegeben, die ungenutzt blieben. Begründet durch die zu hohe Gefahr für Geiseln und Passanten. Jetzt entscheidet sich die Kölner Polizeiführung für ein Eingreifen. Der leitende Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK) äußert Bedenken, doch die Entscheidung steht.

SEK-Leiter Alfred Schürmann erinnert sich an die Schwierigkeiten eines Zugriffs:

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Hosse ist sich bewusst, dass die Polizei-Aktion ein Risiko für das Leben der Geiseln bedeutet: „Wir haben diese Gefahr hingenommen, hinnehmen müssen angesichts der drohenden Gefahren. Wir konnten die Situation nicht mehr beherrschen“, wird er später sagen.

Als der BMW um 13.45 Uhr auf einem Seitenstreifen der A3 bei Bad Honnef zum Stehen kommt, greift die Polizei ein. Ein Wagen rammt das Fahrzeug, das von Rösner gerade wieder in Gang gesetzt wird. Geplant war ursprünglich, den BMW direkt an der Fahrertür zu treffen, um Rösner kampfunfähig zu machen und Degowski auf der Rückbank in einen Schockzustand zu versetzen. Da die Gangster den Wagen wieder bewegen, verfehlt das Einsatzfahrzeug sein Ziel knapp. Zu einem schnellen Zugriff kommt es daher nicht.

Stattdessen schießen Polizisten und Gangster aufeinander. Die Geiselnehmer werden dabei verletzt, eine Geisel kann sich aus dem Auto befreien. Silke Bischoff stirbt durch einen Schuss aus der Waffe Rösners.

Die Aufarbeitung des Geiseldramas

Auf der Autobahn A3 bei Bad Honnef beendet die Polizei die Geiselnahme mit einem umstrittenen Einsatz. Dabei starb die Geisel Silke Bischoff durch eine Kugel aus Rösners Waffe. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Nach dem tödlichen Ausgang des Geiseldramas bricht in den folgenden Wochen eine Debatte über die Entscheidungen der Polizei und das Verhalten der Presse aus. NRW-Innenminister Herbert Schnoor (SPD) und Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) müssen sich Untersuchungsausschüssen stellen. Meyer tritt drei Monate nach dem Geiseldrama zurück.

Die Gewerkschaft der Polizei wirft der Presse vor, sie hätte mit ihrem Vorgehen der Polizei „ins Handwerk gepfuscht“. Befremdet über manche Berichterstattung zeigen sich der Presserat und Journalistenverbände, die davor warnen, sich zu Handlangern von Kriminellen zu machen.

Der Deutsche Presserat legt später im Pressekodex fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben darf. Journalisten dürften sich nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen lassen.

Rösner und Degowski werden 1991 vor dem Essener Landgericht zu lebenslanger, Marion Löblich zu neunjähriger Haft verurteilt. Löblich kommt Mitte der 1990er Jahre frei. Dieter Degowskis Strafe wird Anfang 2018 zur Bewährung ausgesetzt, er lebt seitdem unter neuem Namen in Freiheit. Bei Hans-Jürgen Rösner wird Sicherungsverwahrung angeordnet, er sitzt in Aachen im Gefängnis.

Am Donnerstag, 18. August 2018, besuchen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) das Grab von Silke Bischoff in Bremen. In Süditalien wird am darauffolgenden Freitag auf dem Friedhof der Stadt Surbo ein Kranz für Emanuele de Georgi niedergelegt. Und jetzt, 30 Jahre nach den Ereignissen, soll es auch einen Erinnerungsort in der Nähe des Busbahnhofs in Bremen-Huckelriede geben. An Silke Bischoff erinnert heute schon eine Skulptur in der Nähe des Ortes, an dem die Geiselnahme gewaltsam beendet wurde.

In der Nähe des Zugriffsortes neben der Autobahn A3 erinnert heute diese Skulptur an die umgekommene Silke Bischoff. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Christian Schwarz
Redakteur
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