Von Gerret von Nordheim
Frage:
Herr Bucking, in vielen heidnischen Religionen ist der Hase ein Götterbote, ein Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit. Können Sie sich das erklären?Bucking:
Der Spruch „Die vermehren sich wie die Karnickel“ kommt ja nicht von ungefähr (lacht). Die Häsin als Höhlenbrüterin mit einer Tragzeit von 31 Tagen kann sehr viele Junge im Jahr werfen. Besonders jetzt im Frühling, wenn nach dem langen, kalten Winter die Pflanzen sprießen und wieder genug Nahrung vorhanden ist, ist die Häsin wieder bereit, sich decken zu lassen und Jungen das Leben zu schenken ...Frage:
... wie auch Jesus im Frühjahr wieder das Leben geschenkt wurde ...Bucking:
Über diese Verbindung habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht! Aber das könnte der Grund sein, warum gerade der Hase zu Ostern die Eier bringen muss. Das Frühjahr ist einfach die lebensschenkende Zeit des Jahres. Ich selbst wurde im Dezember geboren, das heißt meine Eltern haben mir auch im Frühling das Leben geschenkt.Frage:
Bis zum 16. Jahrhundert wurden die Ostereier von verschiedenen Tieren gebracht: In einigen Regionen kam der Fuchs oder der Hahn, in anderen der Storch oder der Kuckkuck, um die Ostereier zu verstecken. Wie konnte sich der Hase durchsetzen?Bucking:
Der Hase ist einfach flinker (lacht). Spaß beiseite. Es könnte daran liegen, dass der Osterhase einfach die bessere Ausrede war, für die eierversteckenden Eltern. Hasen und Karnickel suchen im Frühjahr vermehrt Nahrung und kommen dabei auch in die Nähe von Menschen, werden so auch öfter gesehen – man denke zum Beispiel an Rübenäcker. Das macht den Hasen wahrscheinlich zum glaubwürdigeren Eierlieferanten für die Kinder.Niemand weiß genau, warum es den Osterhasen gibt. Horst Dieter Bucking, Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins Ganderkesee und Umgebung, hat jedoch einige Vermutungen:
