Recklinghausen - Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist bei einer Studie in Nordrhein-Westfalen im Urin zahlreicher Kita-Kinder nachgewiesen worden. Laut der am Donnerstag vom Landesumweltamt NRW vorgelegten Untersuchung lag der Stoff bei 63 Prozent der 250 untersuchten Kinder oberhalb der Bestimmungsgrenze von 0,1 Mikrogramm je Liter. Bei diesen 157 Kindern betrug der Mittelwert 0,26 Mikrogramm je Liter. Die „Bestimmungsgrenze“ gibt die Menge an, ab dem eine Stoffkonzentration mit einer bestimmten Präzision bestimmt werden kann. Sie liegt oberhalb der „Nachweisgrenze“. Die „Neue Rhein/Ruhr Zeitung“ hatte zuerst berichtet.
Die in der NRW-Studie bei den Kindern gemessenen Werte liegen allerdings weit unter dem von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten Wert für die sogenannte „duldbare tägliche Aufnahme“, der bei 300 Mikrogramm je Liter liege. Es seien auf Grundlage dieses Wertes daher keine gesundheitlichen Auswirkungen als wahrscheinlich anzunehmen, heißt es in der Studie. Die Daten zeigten aber, dass eine Hintergrundbelastung mit Glyphosat bei den untersuchten Kindern vorliege. Die Untersuchung sei die weltweit erste Studie, die die Glyphosat-Belastung von 2- bis 6-jährigen Kindern erfasst habe. Die Autoren der Studie empfehlen, die Glyphosat-Belastung bei Kindern „unbedingt weiter“ zu verfolgen.
Anfang März war in Berlin eine Studie unter 2000 Bürgern vorgestellt worden. Bei 99,6 Prozent der Probanden hatten sich dabei Glyphosat-Reste nachweisen lassen. Bei 75 Prozent der Testpersonen waren sie mit mindestens 0,5 Mikrogramm pro Liter fünfmal so hoch wie der Grenzwert für Trinkwasser.
Glyphosat ist eines der meistgenutzten Unkrautvernichtungsmittel. Die Substanz steht im Verdacht, Krebs zu erregen, die Wissenschaft ist in dieser Frage allerdings gespalten. Umweltschützer sind gegen das Mittel. Das Unkrautgift ist noch bis Ende Juni in der EU zugelassen.
Am Donnerstag konnten sich Vertreter der EU-Staaten in Brüssel nicht für oder gegen die weitere Neuzulassung des Mittels einigen. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) äußerte sich erfreut über die erneute Vertagung. „Das ist ein Etappenerfolg. Nach wie vor gibt es berechtigte Zweifel an der Unbedenklichkeit des Pflanzenschutzmittels, die wir innerhalb der Politik ernst nehmen müssen.“ Glyphosat gehöre nicht „in unsere Gewässer oder in unseren Körper“, erklärte er. Die massive Verbreitung des Mittels müsse eingeschränkt werden. Es gebe Alternativen.
