GORLEBEN - Die gewalttätigen Auseinandersetzungen beim Castor-Transport nach Gorleben haben nach Angaben von Atomkraftgegnern bis zu 1000 Verletzte gefordert. Die Kampagne „Castor schottern“ sprach am Montag von mindestens zwei Schwerverletzten. Die Polizei machte keine Angaben.
Hans-Jürgen Thurau, Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, der sich am Sonntag selbst ein Bild von dem Polizeieinsatz machte, sprach von einem „erheblichen Gewaltpotenzial“ einiger Demonstranten. „Wenn Molotow-Cocktails fliegen und Leuchtspur-Munition auf Kollegen geschossen wird, dann muss man hinterher auch damit rechnen, dass Strafverfahren eingeleitet werden.“
Nach den Krawallen hatten mehrere tausend Demonstranten die Gleise nördlich des Verladebahnhofs Dannenberg besetzt und den Atommüll-Transport blockiert. Die Polizei brauchte fast die ganze Nacht, um die Schienen wieder frei zu machen.
Am Montag wurden die elf Castoren in Dannenberg auf Laster verladen. Auf der 20 Kilometer langen Strecke bis zum Zwischenlager Gorleben leisteten Castor-Gegner am Abend erneut massiven Widerstand. Vor dem Zwischenlager versammelten sich Tausende von Demonstranten.
SPD, Grüne und Linke warfen der schwarz-gelben Bundesregierung am Montag vor, mit ihrer Atompolitik einen bereits befriedeten gesellschaftlichen Großkonflikt neu entfacht zu haben. Der Bundestag wird am Mittwoch über den Castor-Transport diskutieren, der Landtag ebenfalls. Die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke habe die Proteste wieder explosionsartig steigen lassen, sagte der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel.
