GORLEBEN/HANNOVER - Mit den massivsten Protesten seit Jahren haben Kernkraftgegner die Ankunft des umstrittenen Atommüll-Transportes in Gorleben stark verzögert. Ursprünglich sollte die hoch radioaktive Fracht das Zwischenlager im niedersächsischen Wendland bereits am Montagmorgen erreichen. Am Abend versperrten Kernkraftgegner die Strecke aber immer noch an zwei Stellen. Erst kurz vor 23 Uhr war die Strecke für den Transport freigeräumt. Doch es gab erneute Blockadeversuche. Räumpanzer der Polizei fuhren auf. Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die Blockade-Aktionen der Demonstranten: „Das Besetzen von Gleisen können wir nicht akzeptieren“.
Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, rügte die vorsichtige Einsatztaktik der Behörden: „Der Staat hat sich von den Atomkraftgegnern peinlich vorführen lassen.“
In Quickborn waren am Abend 15 Trecker auf der Straße ineinander verkeilt. In Grippel ketteten sich acht Protestierer an Betonpyramiden. Die Polizei benötigte drei Stunden, bis sie gegen 18 Uhr den ersten davon freibekommen hatte. Eine Stunde später war der zweite Demonstrant losgeeist. Vor dem Zwischenlager selbst hatten rund tausend Demonstranten bis Montagnachmittag die Zufahrt blockiert.
Die Ordnungskräfte beklagten die hohe Gewaltbereitschaft unter den Demonstranten. Der Gesamteinsatzleiter der Bundespolizei, Thomas Osterroth, sagte, die Atomkraftgegner seien zum Teil mit krimineller Energie vorgegangen, etwa bei Unterhöhlungen von Gleisen. Auch sei mit Signalmunition auf Polizeihubschrauber geschossen worden. Unter den Demonstranten waren laut Sicherheitsbehörden auch 800 bis 1000 Autonome, die als besonders gewaltbereit galten.
Der Transport war am Freitagabend in Frankreich gestartet. In der Nacht zum Montag kam der Zug wegen massiver Proteste deutlich später als erwartet am Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg an. In unübersichtlichen Waldstücken war es zu Ausschreitungen gekommen. Drei Atomkraftgegner gelangten auf den fahrenden Zug.
In Dannenberg wurden die Behälter dann am Montag von der Schiene auf Speziallastwagen umgeladen. Der letzte, rund 20 Kilometer lange Streckenabschnitt bis ins Zwischenlager musste auf der Straße zurückgelegt werden. Der Konvoi startete um 23.11 Uhr.
Bundesweit schützten gut 16 000 Polizisten den Transport, 10 000 davon allein in Niedersachsen.
Niedersachsen, S.6
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