GRANSEE/MESEBERG - Wirbel um geplante Schweinemast in „Riechweite“ der Staatsgäste: In unmittelbarer Nähe von Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung, soll im Mai eine Mastanlage mit rund 1450 Tieren in Betrieb gehen, wie die Agrargenossenschaft Seebeck e.G. am Donnerstag mitteilte.

Die Messerschmitt-Stiftung, Eigentümerin des Gebäudes, spricht von einer „Zumutung“ angesichts der zu erwartenden Geruchsbelästigung. „Jetzt ist das Land gefragt, es gibt Tausende leerstehender Ställe in Brandenburg“, sagte Vorstandsvorsitzender Hans Heinrich von Srbik. „Man hätte doch wissen müssen, dass es sich um einen Ort mit erhöhter Sensibilität handelt.“ Schließlich gastierten in dem für 25 Millionen Euro restaurierten Schloss schon der damalige US-Präsident George W. Bush oder der damals amtierende französische Präsident Jacques Chirac.

Srbik begründet seinen Ärger mit leidvollen Erfahrungen: „Im vergangenen Jahr wurden zur Probe 300 Tiere in den Stall gebracht, der ganze Ort war voller schwarzer Fliegen und es stank.“

Dagegen wiegelt die Agrargenossenschaft ab: „Es liegt mehr als ein Kilometer zwischen Stall und Gästehaus und meist kommt der Wind so, dass jeglicher Gestank weggeweht wird“, sagte Geschäftsführer Mogens Nielsen.

Der Linken-Abgeordnete Torsten Krause sprang ihm bei: „Das Schloss steht ja nun wirklich nicht direkt im Stall, sondern am anderen Ende des Ortes.“ An von Srbik gewandt meinte Krause: „Man kann nicht ein Schloss auf dem Land restaurieren, es an die Bundesregierung übergeben und dann von der einheimischen Bevölkerung erwarten, dass sie mit Rücksicht auf Frau Merkel und Co. alle Aktivitäten einstellt, die einen daran erinnern könnten, dass man nicht in Berlin ist.“ Das 150-Einwohner-Dorf Meseberg liegt rund 60 Kilometer entfernt von der Hauptstadt und ist ein Ortsteil von Gransee.

Zu verhindern ist die Schweinemast neben dem Gästehaus im Prinzip nicht, wie ein Sprecher des Landesumweltamtes erläuterte. „Es gibt eine Betriebsgenehmigung.“ Denn auf dem Areal sei bis 2006 eine Schweinemast mit weit mehr Tieren betrieben worden und für die damals erteilte Genehmigung gab es noch drei weitere Jahre Bestandsschutz.

Von Srbik jedenfalls sieht nur noch einen Ausweg: „Staatsbesuch je nach Windrichtung.“