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Neues Gutachten Greenpeace sieht Artenvielfalt vor Borkum gefährdet und fordert Stopp der Gasförderung

Schützenswertes Steinriff unweit vor Borkum: Ein Europäischer Hummer greift nach der Kamera.

Schützenswertes Steinriff unweit vor Borkum: Ein Europäischer Hummer greift nach der Kamera.

Kunz/Greenpeace

Borkum/Emden - Die Umweltorganisation Greenpeace hat Niedersachsens rot-grüne Landesregierung erneut aufgefordert, die umstrittene Gasförderung vor der Insel Borkum zu stoppen. In unmittelbarer Nähe zur geplanten Bohrplattform N05-A des niederländischen Konzerns One-Dyas gut 23 Kilometer nordwestlich von Borkum liegen drei schützenswerte Steinriffe, wie ein neues Gutachten zeige. Das Leben in dem Meeresgebiet dürfe nicht geopfert werden für „dieses bisschen Gas“, sagte Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters am Dienstag in Hannover.

88 Tierarten identifiziert

Forschungstaucher der Firma „Submaris“, beauftragt von Greenpeace, haben drei Riffverdachtsflächen nahe der geplanten Bohrplattform überprüft. Zwei Steinriffe liegen in niederländischem Hoheitsgewässer; das dritte direkt auf der vorgesehenen Kabeltrasse zum deutschen Offshore-Windpark „Riffgat“ fünf Kilometer östlich der geplanten Bohrstelle. Von „Oasen der Vielfalt“ in 22 bis 27 Metern Tiefe sprach Meeresbiologe Philipp Schubert. Bei der Untersuchung konnten laut Schubert mindestens 88 Tierarten bestimmt werden, von denen etwa jede fünfte auf der deutschen Roten Liste für bedrohte Arten stehe – darunter der stark gefährdete Europäische Hummer, die gefährdete „Tote Mannshand“ und verschiedene Anemonen. Auf „Weichböden“, also im Watt, sei die Artenvielfalt zehnmal geringer, sagte Schubert.

Um Vergleichsdaten zu erhalten, prüften die Taucher Mitte April einen Standort sieben Kilometer östlich der geplanten Plattform. Eine der Flächen hatte der Landesbetrieb NLWKN bereits 2020 untersuchen lassen und als Steinriff identifiziert, die Ergebnisse jedoch lange unter Verschluss gehalten. Das Landesumweltministerium veröffentlichte das Gutachten erst im Mai, nachdem Greenpeace dessen Existenz aufgedeckt und aus Protest gegen das Gas-Projekt des Landtagsgebäude zeitweise besetzt hatte.

Lies widerspricht

Die insgesamt vier Gebiete erfüllen laut Greenpeace die Kriterien für gesetzlich geschützte Biotope (FFH-Lebensraumtyp Riffe). Die Organisation will nun die Daten dem NLWKN zur Verfügung stellen, damit die Zonen als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), im Jahr 2020 Umwelt, widersprach dem Greenpeace-Vorwurf, er habe seinerzeit das Gutachten zurückgehalten. Das Riff sei seinerzeit „umgehend dem Bund gemeldet“ worden – „und auch nicht irgendwo hin, sondern unter anderem als potentielles FFH-Gebiet an das Bundesamt für Naturschutz.“ Lies weiter: „Hinzu kommt: Das Gutachten ist seit November 2021 auf der Seite des NLWKN zu finden. Um es einmal deutlich zu sagen: Dieser konstruierte Vorwurf von Greenpeace ist nicht sauber.“

Protest mit Schlauchbooten

Auf deutscher Seite steht die Genehmigung des Bohrvorhabens noch aus. Aus Sicht des niedersächsischen Umweltministers Christian Meyer (Grüne) ist das Projekt derzeit nicht genehmigungsfähig, weil Risiken für die Natur und die Insel Borkum nicht auszuschließen seien. „Der Schutz von Umwelt und Natur hat höchste Priorität“, sagte Meyer. Auch Lies sicherte eine „saubere“ Abarbeitung des Planfeststellungsverfahrens zu. Meta Janssen-Kucz (Borkum), umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, rief dazu auf, das Projekt „ad acta“ zu legen. Der Umweltexperte der CDU-Landtagsfraktion, André Hüttemeyer, sagte dagegen: „Um die Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen alle rechtlich möglichen und umsetzbaren Handlungsoptionen ausgeschöpft werden.“

Sollte One-Dyas seine Pläne durchsetzen, könnte das Unternehmen aus dieser Quelle ab 2024 allerdings höchstens ein Prozent des derzeitigen jährlichen deutschen Gasbedarfs decken. „Das Leben in den neu entdeckten Steinriffen darf man nicht für ein bisschen Gas opfern“, meinte Greenpeace-Energieexpertin Peters. Daher sollte Ministerpräsident Stephan Weil das Projekt vor Borkum stoppen. „Energiesicherheit ist in diesem Fall nur ein Scheinargument. Zukunftsfähige Energiepolitik kommt ohne das wenige Gas vor Borkum aus.”

Aktivisten von Greenpeace malten bereits in der Nacht zum Dienstag von Schlauchbooten aus die Forderung „No New Gas“ an die Wand einer niederländischen Bohrplattform, die etwa zwölf Kilometer nördlich der von N05-A installiert werden soll und bereits genehmigt wurde.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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