Großenkneten - Die Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Großenkneten am Donnerstag begann schon ungewöhnlich. Bereits beim ersten Punkt, der Tagesordnung, galt es über einen Eilantrag abzustimmen. Der stammte von der AfD–Fraktion und beinhaltete die Forderung, den Aufstellungsbeschluss für das Gewerbegebiet „Sannumer Straße Nord“ (Flächennutzungsplan und Bebauungsplan) von der Tagesordnung zu nehmen. Das scheiterte am „Nein“ aller anderen Ausschussmitglieder. Damit war der Weg frei für eine rund einstündige Diskussion in der Einwohnerfragestunde und danach im Ausschuss. Sie zeigte: Die Anlieger lehnen die Ausweisung des Gewerbegebietes strikt ab, die es dem Naturkosthändler Kornkraft ermöglichen soll, vom Standort Hosüne innerhalb Huntlosens auf eine größere Fläche zu ziehen und sich weiter entwickeln zu können. Schon das erste Bauvorhaben, eine 1000 Quadratmeter große Halle mit Leergut- und Tiefkühllager mit einer Höhe von zehn Metern, wird abgelehnt, ebenso spätere Erweiterungen.
AfD-Antrag gescheitert
Ratsherr Dierk Horstmann hatte den AfD-Antrag verlesen. Seine Fraktion verwies auf den siebenseitigen Brief der Anlieger an alle Ratsmitglieder und nannte Bedenken wegen Untergrund, Verkehrsaufkommen, Naturschutz und der Gefahr von Fehlinvestitionen. Sie forderte neutrale Gutachten ein.
Die Ausschussmehrheit lehnte diesen Eilantrag ab. Warum, machte der Ausschussvorsitzende Heiner Bilger (SPD) später deutlich. Er erinnerte daran, dass ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan nichts anderes bedeute, als dass ein Verfahren zur Prüfung eingeleitet werde. „Wir wollen Gutachten haben, in die jeder hineingucken kann.“ Dieser Ruf nach Gutachten sei selbstverständlich. Genau das gehöre zum Bauleitverfahren. „Wir sollten in Zukunft wieder sachlich reden“, sagte er und meinte damit auch den Stil einiger Äußerungen von Anliegern in der Einwohnerfragestunde.
Im vollen Saal hatte die 35-minütige Fragestunde, laut Satzung maximal 30 Minuten lang, phasenweise den Charakter einer Anklagestunde angenommen. Das Problem dieser Kommunikation: Die Anwohner wollten schon Antworten haben, die aber erst das Bauleitverfahren ergeben kann. Es sei ergebnisoffen, wie Politik und Verwaltung daher mehrfach betonten.
Punkte wie Schallschutz, nächtlicher Lärm, Natur- und Artenschutz, Landschaftsversiegelung und -bild, Verhältnismäßigkeit, Alternativen: Das alles sind Themen des kommenden Verfahrens, wenn denn der Rat es einleitet. Der Fachausschuss hat „nur“ die entsprechende Empfehlung gegeben (bei einer Gegenstimme der AfD).
Langer Fragenkatalog
Einen Fragenkatalog mit 21 Punkten hatten die Anlieger vorbereitet, von denen einige von wechselnden Personen vorgetragen wurden. Die genannten Millionensummen bezeichnete Bürgermeister Thorsten Schmidtke als „hochspekulativ“. Zu dem Vorstoß, der Firma Kornkraft doch eine Fläche im Metropolpark Ahlhorn anzubieten, verwies er auf den Wunsch der Firma, die in Huntlosen gegründet worden sei und hier bleiben wolle, auch mit Blick auf rund 160 Mitarbeiter.
Dass Anlieger beklagten, durch „Zufall“ von der Planung erfahren zu haben, wies Schmidtke zurück. „Wir haben das Vorhaben offen und ehrlich mit größtmöglicher Transparenz vorgestellt“, verwies er auf zwei Infogespräche mit Anliegern in jüngster Zeit. Das Bauleitverfahren mit der öffentlichen Beteiligung beginne ja erst jetzt. Schmidtke zeigte sich enttäuscht, dass teilweise „Unwahrheiten“ verbreitet würden. „Noch unverschämter“ sei ein Faltblatt der neuen Bürgerinitiative Dorfkraft, in dem von „Kungeleien und Monsterbau“ die Rede sei, sagte Schmidtke. Er kündigte eine Infoveranstaltung mit der Firma Kornkraft und dem Bürgerverein an.
