Großenkneten/Wesermarsch - Die Kandidatur zum Bundestag war in seiner Lebensplanung nicht vorgesehen: „Ich habe lange überlegt, als mich Ratsherr Harm Rykena gefragt hat“, räumt Herbert Sobierei ein. Schließlich sagte der 68-jährige frühere Elektroingenieur doch zu, für die AfD im Wahlkreis 28 (Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch) anzutreten. Der Wahlkampf sei „sehr anstrengend, aber spannend“, räumt der Großenkneter ein.

Sobierei stammt aus Dortmund, ist quasi ein „Kind des Bergbaus“. „Mein Großvater war ein gestandener Sozialdemokrat“, erklärt er. Mehrere Wahlperioden war Sobierei SPD-Ratsherr in Willig (Niederrhein). Als sein Sohn im Alter von zehn Jahren verstarb, scheiterte die Ehe. Fast sieben Jahre lang pflegte der gebürtige Dortmunder seine Mutter.

Pferde und Kutsche fahren gehörten schon immer zu seinen Hobbys. Über seine Steckenpferde lernte er auch die Großenkneter Familie Schürmann kennen. 2014 zog Sobierei schließlich vom Niederrhein in den Nordwesten.

Sobierei ärgert sich, dass in der Öffentlichkeit alle AfD-Mitglieder „über einen Kamm“ geschert werden. Er selbst gilt als entschiedener Gegner des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke, der das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hat, sowie des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland, der die Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz (SPD) beleidigt hat. „Sie schaden massiv der Partei“, sagt Sobierei. Auch mit Kritik am niedersächsischen Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel (Lüneburg) hält er sich nicht zurück.

Die Kritik seiner Partei an der Flüchtlingspolitik sei aber richtig. Erst der Druck der AfD habe dazu geführt, dass sich alle Parteien nun ein Einwanderungsgesetz auf die Fahnen geschrieben hätten. Sobierei setzt sich für eine Reform des Schengen-Abkommens und die Wiedereinführung der Grenzkontrollen ein. Die Macht der EU müsse begrenzt und die EU-Kommission stärker kontrolliert werden. Außerdem sollte Deutschland zunächst seine Interessen vertreten und nicht mehr alles bezahlen: „Wir sind nicht das Sozialamt des gesamten Planeten.“

Außerdem setzt sich Sobierei im Wahlkampf für mehr Steuergerechtigkeit ein. Die Rentenerhöhung sollte nicht mehr prozentual erfolgen, sondern alle Rentner sollten den gleichen „Sockelbeitrag“ erhalten. Um die innere Sicherheit zu verbessern, benötige Deutschland nicht nur 20 000 neue Polizisten, wie das die großen Parteien ankündigen, sondern mindestens 60 000, um die Pensionierungswelle abzufangen. Bei einer Diskussion punktet der ehemalige Elektroingenieur mit seinem Wissen über Kupfer- und Glasfasernetze.

Sobierei mahnt mehr Fairness im Wahlkampf an: Das Auto eines Parteikollegen sei zerkratzt, Dutzende Plakate entfernt worden. Zunehmend werde er bei Podiumsdiskussionen geschnitten. Gleichwohl räum er ein, dass ihm der Wahlkampf, oft mit zwei oder drei Terminen am Tag, viel Spaß bereite. Gerade in der Wesermarsch, die er bislang kaum kannte, habe er schöne Orte und nette Menschen kennengelernt. Über seine Chance, in den Bundestag einzuziehen, gibt er sich keinen Illusionen hin. Sobierei rechnet mit etwa 8 Prozent der Erststimmen. Er sei ein Kandidat „just for fun“.

Name Peter Mustermann
Alter 38
Wohnort Wilhelmshaven
Hobby Joggen
Familie Frau und drei Kinder

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent