Hannover - Gleich sechs Demonstrationen in Hannovers Innenstadt sind friedlich verlaufen. Darunter waren eine Demonstration von Rechtsextremen und eine Gegendemonstration des linken Spektrums. „Es war sehr ruhig“, sagte Polizeisprecher Frank Federau am Samstag nach dem Ende beider Kundgebungen. Einbußen beklagte allerdings der Einzelhandel.

Ursprünglich waren für beide Veranstaltungen jeweils rund 500 Teilnehmer angemeldet. Tatsächlich war die Beteiligung deutlich geringer: Zu der von den Rechten angemeldeten Veranstaltung kamen den Angaben zufolge bis zu 74 Demonstranten. An der Gegenkundgebung hätten sich bis zu 150 Menschen beteiligt. Die Beamten hatten beide Demonstrationen strikt voneinander getrennt. Zwischenfälle gab es keine.

Zusätzlich waren vier weitere Kundgebungen in der niedersächsischen Landeshauptstadt angemeldet worden: Darunter waren Protestzüge gegen „Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ mit bis zu 1000 Teilnehmern, eine Gegendemonstration „Vielfalt statt Einfalt“ mit rund 300 Teilnehmern und eine Aktion für die Unterstützung der von Dschihadisten bedrohten religiösen Minderheit der Jesiden. Dazu kam ein Aufzug „Pro Babytragen“ - hier sei das Gewaltpotenzial „als sehr gering einzuschätzen“, sagte ein Polizeibeamter.

Die Veranstaltung gegen „Gender-Ideologie“ zog auch bis zu 200 Gegendemonstranten des linken Spektrums an. Bei einem Versuch dieser Gruppe, eine Absperrung der Polizei zu durchbrechen, setzten die Beamten Pfefferspray ein.

Für den Einzelhandel der Stadt bedeuteten solche Demonstrationen „spürbare Einbußen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Hannover, Ullrich Thiemann: „Menschen suchen Sicherheit.“ Gebe es nur „einen Hauch“ von Gewaltpotenzial, dann blieben die Menschen zu Hause statt einzukaufen. Schon eine Woche zuvor hatten rund 3000 Hooligans und Rechtsextreme in Hannover gegen Islamismus demonstriert, dazu kamen etwa 3000 Gegendemonstranten. Die Umsatzeinbußen im Handel hätten damals bei bis zu 50 Prozent gelegen, sagte Thiemann.