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NWZonline.de Nachrichten Politik

Großstädte in der Schuldenfalle

22.12.2015

Berlin /Oldenburg Deutsche Großstädte geraten immer stärker in die Schuldenfalle. Dabei sind die zu erwartenden hohen Ausgaben durch höhere Flüchtlingszahlen noch nicht eingerechnet. Nach einer Übersicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young stieg die Gesamtverschuldung der 72 Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 82,8 Milliarden Euro. Der Anstieg sei stärker ausgefallen als im Vorjahr – trotz guter Konjunkturlage, wachsender Steuereinnahmen, günstiger Finanzierungskosten sowie kommunaler Rettungsschirme.

Der Analyse zufolge entfielen auf jeden Großstadtbewohner im Schnitt kommunale Schulden in Höhe von 4299 Euro – gegenüber 4174 Euro im Jahr davor. Die Zahl der Großstädte, die sehr stark in der Kreide stehen mit Pro-Kopf-Schulden von mindestens 6000 Euro, sei 2014 auf 16 gestiegen. Im Jahr 2012 waren es noch 13. Die Stadtstaaten wurden in der Analyse nicht mit berücksichtigt.

Besonders betroffen von hoher Verschuldung sind laut Ernst & Young die Städte in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die vier rheinland-pfälzischen Großstädte wiesen im Schnitt eine Pro-Kopf-Verschuldung von 7063 Euro auf, bei den 28 NRW-Städten seien es 5081 Euro. Bei den sechs niedersächsischen Großstädten liege die Verschuldung bei 2206 Euro je Einwohner. In Oldenburg lag die Pro-Kopf-Verschuldung bei 1826 Euro.

Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung der ostdeutschen Großstädte sei deutlich niedriger als die der westdeutschen Großstädte. Während die ostdeutschen Großstädte ihre Pro-Kopf-Schulden seit 2012 um 0,3 Prozent reduziert hätten, sei die der West-Großstädte um 3,3 Prozent gestiegen.

Die am stärksten verschuldete Großstadt ist die saarländische Hauptstadt Saarbrücken mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 11 568 Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen die Ruhrgebietsstadt Oberhausen mit 9556 Euro und das hessische Offenbach am Main mit 8785 Euro.

Die am wenigsten verschuldete Großstadt ist Braunschweig mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 452 Euro. „Die Braunschweiger haben sehr rigide so ziemlich alles privatisiert, was man privatisieren kann und sich auf Kernaufgaben konzentriert“, sagt Thorsten Bullerdiek vom niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB). „Damit gaben sie aber auch ab, was andere Städte halten – wie etwa die Stadtwerke.“

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