Nordenham - In der Grünen-Ratsfraktion ist noch völlig offen, wie es nach dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Edwin Krüger weitergeht. Weil unklar ist, ob der 43-jährige Polizist auch sein Ratsmandat niederlegen wird, gibt es zur künftigen Personalbesetzung vorerst keine Angaben. „Wir müssen abwarten“, sagt Hajo Janßen als dienstältestes Stadtratsmitglied der Grünen.

Hajo Janßen bedauert die Entscheidung des „sehr erfahrenen“ Fraktionschefs, nach über sieben Jahren den Grünen den Rücken zu kehren. „Es gab unterschiedliche Auffassungen“, sagt Hajo Janßen, „aber wir gehen nicht im Streit auseinander.“

Seiner Einschätzung nach lag das Hauptproblem darin, dass Edwin Krüger viele Jahre als Einzelkämpfer im Rat tätig war und sich nach der Kommunalwahl 2011 eine völlig neue Situation für ihn ergeben hatte. Die Fraktionsstärke war von eins auf vier hochgeschnellt. „In der Gruppe hat es nicht die Zusammenführung gegeben, die er als Fraktionsvorsitzender gerne gehabt hätte“, sagt Hajo Janßen.

Sollte Edwin Krüger den Stadtrat verlassen, wäre Andrea Suhr die erste Nachrückerin. Aber sie hat bereits angedeutet, dass sie das Mandat nicht annehmen würde. Als weitere Kandidaten stehen Jörg Wendrich und Heide Hildebrand auf der Liste.

Die Landtagsabgeordnete und Ortsvorsitzende der Nordenhamer Grünen, Ina Korter, will Edwin Krügers Vorwurf, dass sie die umstrittenen Mox-Atomtransporte für ein „Wahlkampfgetöse“ missbrauche, nicht gelten lassen. „Das ist herbeigesucht“, sagt sie und verweist darauf, schon im November 2009 das Thema im Landtag angesprochen zu haben. „Ich mache fünf Jahre lang Wahlkampf“, betont Ina Korter, „und jage keinen Eintagsfliegen nach.“

Auch Edwin Krügers Kritik am Fraktionszwang in der Ratsriege weist sie zurück. Vor der Kommunalwahl sei mit allen Kandidaten ein Programm ausgearbeitet worden. Und daran müsse sich jeder halten, der für die Partei ein Mandat angenommen hat. Das sei eine Verpflichtung gegenüber den Wählern. Für Ina Korter ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Fraktionsmitglieder sich absprechen und bei Abstimmungen einheitlich auftreten.

Dass sich der Polizeibeamte Edwin Krüger durch ihre Missfallensbekundung über die Straßensperrungen bei der Demonstration am 23. September in Einswarden „angegriffen fühlt“, versteht Ina Korter nicht. „Das wird viel zu hoch gehängt“, sagt sie.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)