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NWZonline.de Nachrichten Politik

Kindergeld kommt bei Kindern an

22.11.2018

Gütersloh Direkte Transferleistungen an Familien kommen tatsächlich bei den Kindern an: Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Der Verdacht, Eltern aus Hartz-IV-Haushalten könnten zusätzliches Geld womöglich zweckentfremden, habe sich nicht bestätigt. Die Fakten.

Bürokratiemonster Bildungspaket

Vor zehn Jahren warnte der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor einer Anhebung des Kindergelds und stellte eine ungewöhnliche Rechnung auf: „Eine Erhöhung um acht oder zehn Euro hat den Gegenwert von zwei Schachteln Zigaretten oder zwei großen Pils.“ Steinbrück forderte, das Geld lieber in mehr Betreuung oder Schulessen zu stecken. Der Verdacht, Eltern könnten zusätzliche staatliche Mittel eher für den eigenen Genuss ausgeben statt für die Bildung ihrer Kinder, lag auch dem Gesetzespaket der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) 2011 zugrunde: Das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket wurde zweckgebunden. Für etwa 2,5 Millionen bedürftige Familien sollte es Sachleistungen wie Schulessen, Klassenfahrten, Zugang zu Nachhilfe, Sport- oder Musikvereinen geben. Jetzt zeigt sich: Das Bildungspaket wird nicht so stark angenommen. Rund 30 Prozent der Mittel gehen für den Verwaltungsaufwand drauf, heißt es in der Studie. Viele Bedürftige würden die komplizierten Anträge scheuen, die Hürden seien zu hoch. In anderen Fällen reicht das Geld schlicht nicht, um davon Musikunterricht oder Nachhilfe zu finanzieren.

Effekte des Erziehungs- und Kindergeldes

Die Bertelsmann-Forscher fragten sich: Kommen die staatlichen Transferleistungen bei den Kindern an – oder werden sie zweckentfremdet, etwa für Alkohol, Tabak und Unterhaltungselektronik? Die Autoren werteten dafür Daten des sozio-oekonomischen Panels von 1984 bis 2016 aus. Ergebnis: Ein massiver Missbrauch von Familienleistungen lasse sich nicht feststellen. Das Landeserziehungsgeld führe demnach dazu, dass ein Teil der Eltern im Job kürzer trete. Sie würden das Geld einsetzen, um mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen. Eine Erhöhung des Kindergeldes wirke sich vor allem auf das Wohnumfeld aus: Die Ausgaben für Miete steigen bezogen auf 100 Euro Kindergeld um 14 Euro, die Wohnfläche vergrößert sich um gut zwei Quadratmeter, so die Rechnung der Autoren. Ein weiterer Teil des Kindergeldes werde für Bildung, Betreuung und Freizeitaktivitäten genutzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder zwischen sechs und 16 Jahren ein Instrument erlernen, steigt der Studie zufolge um elf Prozentpunkte. Auswirkungen auf den Kauf von Fernsehern oder DVD-Spielern gab es weder beim Landeserziehungs- noch beim Kindergeld. Die Ergebnisse decken sich mit der Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) aus dem Jahr 2012. Darin hieß es, dass zusätzliche Kindergeld-Euro mindestens zur Hälfte in Lebensmittel und in die Verbesserung des Wohnumfeldes flossen.

Forderungen
der Forscher

Um Kinderarmut besser zu bekämpfen, müsse bei Kindern und Jugendlichen gezielt mehr Geld ankommen. „Eltern sollten nicht unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Er regt eine neue finanzielle Leistung an: das Teilhabegeld. Dies müsse staatliche Maßnahmen wie das Kindergeld, Teile des Bildungs- und Teilhabepakets, den Kinderzuschlag und die Hartz-IV-Sätze für Kinder bündeln.

Maßnahmen
der Regierung

Eine höhere Direktzahlung wird es ab 1. Juli 2019 tatsächlich geben. Dann steigt das Kindergeld um zehn Euro. Das Familienentlastungsgesetz sieht zudem steuerliche Entlastungen und einen höheren Kinderfreibetrag vor.

Petra Sorge
Korrespondentenbüro Berlin
Tel:
0441 9988 2018

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