Ganderkesee - Wenn am Sonntag die Bundestagswahl ansteht, dann sind fast 25 000 Ganderkeseer aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Darunter sind auch 1300 Jungwähler, die zum ersten Mal den Bundestag wählen dürfen. Die vier Jungwähler, mit denen die NWZ über die Wahl und ihre Vorbereitung darauf sprach, haben schon bei der Landtagswahl im Januar gewählt.

„Ich finde Wählen wichtig“, sagt die 19-jährige Inga Hansing aus Ganderkesee. „So kann jeder seinen Beitrag zur Demokratie leisten.“ Lars Riedel sieht das ähnlich: „Jeder sollte seine Chance nutzen, um wenigstens ein bisschen mitzubestimmen“, so der 19-Jährige. Schon als Kind habe er das Wahlprozedere interessiert verfolgt und sich auf die erste eigene Wahl gefreut. Bereits per Briefwahl gewählt hat die 19-jährige Jette von Postel. „Warum sollte ich Dinge über meinen Kopf hinweg entscheiden lassen, wenn ich mich auch selbst dazu äußern kann?“, stellt sie ihre Meinung dar. Und Niklas Müller hat kein Verständnis für Nichtwähler: „Das ist doch so einfach, das dauert doch nicht lange“, sagt der 20-Jährige. „Wer nicht wählen geht, der darf hinterher auch nicht über die Regierung meckern.“

Informiert haben sich im Vorfeld der Wahl alle vier, teilweise seien aber sogar zu viele Möglichkeiten zur Meinungsbildung vorhanden. „Die zeitgleiche Übertragung des TV-Duells zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück auf vier Sendern fand ich überflüssig“, sagt Niklas, „das hätte auch auf einem Sender gereicht.“ Jette spricht sogar von einer Informationsüberflutung. Hauptsächlich im Internet sei das der Fall, dennoch nutzen die Jugendlichen dieses als wichtigstes Informationsmedium. Besonders der von der Bundeszentrale für politische Bildung bereitgestellte „Wahl-O-Mat“, bei dem die eigenen politischen Ansichten mit denen der Parteien verglichen werden können, erfreut sich großer Beliebtheit. Die Ergebnisse seien teils erwartungsgemäß, teils überraschend ausgefallen. „Das regt aber auch noch einmal zum Nachdenken an“, sagt Lars. Auch die Wahlwerbespots, Talkshows und Zeitungsberichte seien hilfreich.

Den aktuellen Wahlkampf finden die befragten Erstwähler allerdings nicht sehr ansprechend. „In meinen Augen geht keiner wirklich auf die Jugendlichen ein“, kritisiert Inga. Lars bestätigt das: „Mir ist keine Partei aufgefallen, die sich gezielt an Erstwähler gerichtet hat.“ Niklas berichtet derweil von eher missglückten Versuchen einzelner Politiker, die Jungwähler anzusprechen. Einen Vorschlag, wie die Parteien so eine Rückmeldung künftig vermeiden könnten, gibt es auch: „Mehr Präsenz in den Schulen durch die Politiker könnte sicherlich mehr junge Leute zum Wählen motivieren“, meint Inga.

Schließlich erzählt Jette von der Überzeugungsarbeit, die in ihrem Freundeskreis geleistet wird: „’Du musst wählen gehen, das ist wichtig!’, sagen wir dann immer.“ Und diesen Ratschlag sollten sich nicht nur die Erstwähler zu Herzen nehmen.