• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Haben die USA heikle Informationen weitergegeben?

26.05.2017

Manchester /Brüssel Die Veröffentlichung heikler Informationen zum Terroranschlag von Manchester in den USA hat einen handfesten Krach zwischen London und Washington ausgelöst. US-Präsident Donald Trump verurteilte die mutmaßlichen Durchstechereien amerikanischer Regierungsbehörden am Donnerstag scharf und kündigte an, das Justizministerium um Ermittlungen zu bitten. „Diese Leaks sensibler Informationen sind eine ernste Bedrohung unserer nationalen Sicherheit“, sagte Trump in Brüssel.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte zuvor angekündigt, sie wolle Trump am Rande des Nato-Treffens in Brüssel persönlich zur Rede stellen. Nach dem Attentat hatten US-Medien mehrfach über noch unveröffentlichte Erkenntnisse britischer Behörden berichtet.

Für Großbritannien seien die USA der engste Verbündete, wenn es um die Geheimdienstzusammenarbeit gehe. Doch eine solche Partnerschaft beruhe auf Vertrauen, sagte May. „Und Teil dieses Vertrauens besteht darin zu wissen, dass Erkenntnisse bedenkenlos miteinander geteilt werden können. Und ich werde gegenüber Präsident Trump heute klarstellen, dass Erkenntnisse, die Strafverfolgungsbehörden miteinander teilen, geschützt bleiben müssen.“

Die britische Regierung vermutet, dass US-Geheimdienstquellen forensische Aufnahmen vom Tatort der „New York Times“ zugespielt und damit die Ermittlungen in Gefahr gebracht haben. US-Medien hatten auch als erste den Namen des Attentäters veröffentlicht. Laut BBC wird die Polizei von Manchester wegen der undichten Stellen keine Informationen mehr an die USA liefern.

Die Ermittler machen den 22-jährigen Salman Abedi, einen Briten libyscher Abstammung, für den Anschlag auf das Konzert der US-Sängerin Ariana Grande verantwortlich. Er hatte bei dem Attentat am Montag 22 Menschen mit den Tod gerissen, unter ihnen Kinder und Jugendliche.

Die Polizei geht davon aus, dass Abedi kein Einzeltäter war, sondern dass ein ganzes Terrornetzwerk hinter der Tat steckt. Der 22-Jährige sei dem britischen Geheimdienst zwar bekannt gewesen, er sei zuletzt aber nicht mehr regelmäßig überprüft worden, meldete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Regierungskreise.

Nach Angaben einer muslimischen Stiftung wussten die Behörden seit zwei Jahren von den extremistischen Tendenzen Abedis. Ein Aktivist habe die Anti-Terror-Behörde zweimal über extremistische Äußerungen des Mannes informiert, sagte der Vorsitzende der Ramadhan Foundation, Mohammed Shafiq. Auch Familienmitglieder hätten den Behörden von Abedis Radikalisierung berichtet. Das werfe Fragen darüber auf, was diese mit den Informationen gemacht hätten.

Bis Donnerstag wurden in Großbritannien im Zusammenhang mit dem Anschlag acht Personen festgenommen, unter ihnen nach Medienberichten auch der ältere Bruder Abedis. Der Polizeichef des Großraums Manchester, Ian Hopkins, wertete die Festnahmen als „bedeutend“. Hopkins hatte schon am Mittwoch erklärt, „dass es sich um ein Netzwerk handelt, dem wir nachgehen“.

In Libyen wurden nach Angaben libyscher Spezialkräfte der Vater und der jüngere Bruder des Attentäters festgenommen. Dieser Bruder war den Angaben zufolge mit den Einzelheiten des Anschlags vertraut. Er habe eingeräumt, zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu gehören, und ausgesagt, während der Attentatsvorbereitungen in Großbritannien gewesen zu sein. Er sei Mitte April ausgereist, danach aber mit seinem Bruder in Manchester in ständigem Kontakt gewesen.

Nach Erkenntnissen der deutschen Polizei flog der Attentäter über den Flughafen Düsseldorf nach Großbritannien. Allerdings sei Abedi hier nur umgestiegen und habe sich dafür kurzzeitig im Transit- beziehungsweise Sicherheitsbereich aufgehalten, teilte die Polizei in Düsseldorf mit. Zuvor hatte „Focus Online“ berichtet, Abedi sei vier Tage vor dem Anschlag von Düsseldorf nach Manchester geflogen. Im Jahr 2015 sei er bereits einmal von Frankfurt am Main aus nach Großbritannien gereist. Auch dabei war er nach ZDF-Informationen offenbar nur auf der Durchreise.

Großbritannien hat nach dem Anschlag erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Dadurch erhält die Polizei nun Hilfe vom Militär. Für Aufregung sorgte am Donnerstag kurzzeitig ein verdächtiges Paket, das in Manchester entdeckt worden war. Polizei und Armee rückten aus, die Gegend wurde weiträumig abgesperrt, das Paket stellte sich aber als harmlos heraus.

Nach jüngsten Zahlen der staatlichen Gesundheitsbehörde wurden bei der Anschlag weit mehr Menschen verletzt als zunächst bekannt. Insgesamt wurden 116 Menschen in Krankenhäuser gebracht, am Donnerstag waren noch 75 in stationärer Behandlung. 20 von ihnen sind noch in einem kritischen Zustand.

Königin Elizabeth II. besuchte ein Kinderkrankenhaus, in dem mehrere Opfer behandelt werden. „Das ist furchtbar, sehr böse“, sagte die 91-Jährige. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der frühere US-Präsident Barack Obama sprachen den Menschen in der nordenglischen Stadt in einer Videobotschaft ihr Mitgefühl aus. Gemeinsam sandten sie eine Videobotschaft, die am Rande des Evangelischen Kirchentages in Berlin aufgezeichnet wurde.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.