Nordholz/Wilhelmshaven/Berlin - 22 Marine-Hubschrauber vom Typ „Sea Lynx Mk88A“ des britischen Herstellers Westland Helicopters, die nicht flugbereit sind, am Boden bleiben müssen und im Kampf gegen Piraten nicht eingesetzt werden können – die eklatanten Mängel sind dem Verteidigungsministerium bereits seit dem 18. Juni bekannt.

Dennoch wurden die Verteidigungsexperten des Bundestages erst am Montag darüber in Kenntnis gesetzt. Weder wurden der Bundestag informiert, noch zügig die Mängel behoben. Wollten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre Militärs die erneute peinliche Nachricht verschweigen?

Abhilfe bei den Hubschraubern und die Rückkehr in den Flugbetrieb wird es erst Anfang 2015 geben, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministers am Montag mit.

Damit ist weit mehr als die Hälfte der Hubschrauberflotte der Marine außer Gefecht. Der Ausfall beeinträchtigt unter anderem die Beteiligung an der EU-Mission „Atalanta“ am Horn von Afrika. Auch die Wilhelmshavener Fregatte „Lübeck“ ist am Montag zum Einsatz gegen die Piraten ausgelaufen. Allerdings ohne den Marine-Hubschrauber „Sea Lynx Mk88A“. Bei der Operation „Atalanta“ wird laut Verteidigungsministerium anstelle der „Sea Lynx“ nun ein Flugzeug eingesetzt, der Seefernaufklärer P-3C Orion. Auch bei den altersschwachen Helikoptern vom Typ „Sea Kings“ soll es eklatante Probleme geben.

Mitte Juni sei an Bord der Fregatte Lübeck zunächst ein Riss an einem der Hubschrauber entdeckt worden, kurz darauf an drei weiteren. Gegenüber dieser Zeitung sagte ein Sprecher für Angelegenheiten der Luftwaffe, dass bei der Rissbildung im Heck­rotorbereich zunächst von einem Einzelfall ausgegangen worden sei. Nun würden alle Helikopter untersucht. Stationiert sind sie in Nordholz (Landkreis Cuxhaven).

Die Truppe nur noch bedingt einsatzbereit? Im Berliner Bendlerblock winkt man ab. „Die Bundeswehr ist in der Lage, ihre Aufgaben zu erledigen“, erklärt von der Leyens Sprecher und räumt Mängel beim Material ein. „Das ist kein schöner Befund, aber auch kein neuer.“ Jetzt gehe es darum, Kapazitäten zu vergrößern und Material zu erneuern. Dies gehe die Ministerin jetzt „mit Hochdruck“ an. Der Unmut unter den Verteidigungsexperten ist dagegen groß. Normalerweise würden die Parlamentarier über jeden kleinen Verkehrsunfall bei der Bundeswehr informiert, hieß es aus dem Verteidigungsausschuss. Daher sei es ungewöhnlich, dass man nichts über die nicht einsatzbereiten Hubschrauber erfahren habe.