HAMBURG/FEDDERWARDERSIEL - Mit Unverständnis reagieren deutsche Krabbenfischer auf eine Entscheidung des Ministerrats der Europäischen Union. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer müssen demnach beginnend 2010 Krabbenkutter mit Satellitenüberwachungssystemen und einem elektronischen Logbuch ausgestattet werden.

Zudem droht eine weitere Beschränkung der Seezungenfischerei. „Hier werden die Krabbenfischer nicht locker lassen und erwarten mehr Nachdruck der deutschen Verhandlungsführung im EU-Ministerrat“, sagt Verbandsgeneralsekretär Dr. Peter Breckling (Hamburg). Im Frühsommer sei die Seezungenfischerei für viele Krabbenfischer eine ganz wichtige Ausweichmöglichkeit.

Der Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander: „Wir können nicht erkennen, dass man sich für die deutschen Belange eingesetzt hätte. Müssen wir denn erst Radau machen wie die Milchbauern, damit man in Berlin versteht, was hier los ist?“

Sollte die Seezungenfischerei weiter eingeschränkt werden, würden mit den neuen Überwachungsauflagen zwei von insgesamt drei Bürokratiepaketen doch noch kommen, welche die Fischer in ihrer Existenz treffen.

Gegen diese bürokratischen Hemmnisse hatten 125 Kutter am 30. Juni in Bremerhaven demonstriert. Dies war nach Verbandsangaben die bisher größte Kutterdemonstration an der deutschen Nordseeküste.

Lediglich bei Sicherheitsauflagen konnten Abmilderungen erreicht werden.

„Ich bin einmal mehr von der Politik enttäuscht, die keine Praxisnähe kennt“, sagt Söhnke Thaden (39), der in fünfter Generation Butjadinger Krabbenfischer mit Heimathafen Fedderwardersiel ist. Thaden erläutert: „Wir haben schon seit Jahren eine Satellitenortung durch eine Art Blackbox, die automatisch Position, Geschwindigkeit und Kurs meldet. Auch führen wir ein schriftliches Logbuch und müssen uns an- und abmelden, wenn wir zum Fischfang auslaufen.“

Die neuen Anforderungen zur Überwachung seien völlig unsinnig und bedeuteten Kosten von knapp 10 000 Euro für jeden Betrieb. Söhnke Thaden: „Wir sind doch keine Hochseefischer.“

Ähnlich enttäuscht reagiert sein Butjadinger Kollege Dirk Ostendorf (43), Fischer in zweiter Generation: „Das ist schlimm. Offenbar war unsere Demonstration im Sommer umsonst. Wir müssen anscheinend eine härtere Gangart wählen.“