HAMBURG - HAMBURG - Wer weiß, vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn nicht Peter Koch, Felix Schmidt und Rolf Gillhausen 1983 Chefredakteure des „Stern“ gewesen wären, sondern „Old Henri“. Aber der Erfinder des „Stern“, der Grandseigneur des deutschen Journalismus, Henri Nannen, war nach 32 Jahren an der Spitze der Redaktion der Zeitschrift 1980 zum Herausgeber geworden.
Er übernahm zwar, nachdem Koch und Schmidt in Folge des Skandals zurückgetreten waren, noch einmal kurz die Chefredaktion. Und er war es auch, der seinen Reporter Heidemann wegen Betrugs anzeigte. Aber Nannens Rettungsversuche kamen zu spät. Im März 1984 zog er sich ins Privatleben zurück und starb am 13. Oktober 1996 im Alter
von 82 Jahren.
Auch Konrad Kujau lebt nicht mehr. Sein spannendes Leben als Kneipenwirt, Galeriebesitzer, Koch, internationaler Medienstar – und kriminalpolizeilicher Berater bei Fälschungsdelikten – endete im September 2000 im Alter von 62 Jahren.
Gerd Heidemann lebt heute von Sozialhilfe in Hamburg-Altona. Er ist 75 Jahre alt, und die Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. So kam vor drei Jahren heraus, dass er im August 1953 von der Stasi als „geheimer Mitarbeiter“, sprich Spion, angeheuert worden war.
Aber Heidemann behauptet, eine Art „Doppelagent“ gewesen zu sein und seinen Lohn an den Hamburger Verfassungsschutz weitergegeben zu haben. Diese frühen Kontakte zur Stasi gaben allerdings Spekulationen neue Nahrung, die schon kurz nach Bekanntwerden der Fälschungen geäußert worden waren: dass es nämlich ein von langer Hand vorbereiteter Geheimdienstcoup war, der die Bundesrepublik destabilisieren sollte.
