HAMBURG/ROM - HAMBURG/ROM/AFP/DPA - Der Islamrat für Deutschland hat die Entführer der im Irak verschleppten Deutschen aufgerufen, ihre Geiseln sofort freizulassen. „Diese Entführung hat mit dem Wesen unserer Religion nichts zu tun und findet auch im Koran keine Rechtfertigung“, sagte der Ratsvorsitzende Ali Kizilkaya. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte unterdessen vor überzogenen Reaktionen auf die gegen Deutschland gerichteten Terror-Drohungen im Internet. „Es macht ja keinen Sinn, wenn wir aufgrund solcher Botschaften gewissermaßen in öffentliche Hysterie verfallen“, sagte er im Deutschlandfunk.

Die beiden Deutschen, eine 61-jährige Frau und ihr Sohn, waren Anfang Februar im Irak verschleppt worden. Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland vertritt 31 Mitgliedsorganisationen türkischer, bosnischer, arabischer und deutscher Muslime. Insgesamt sind dem Dachverband etwa 550 Moscheen angeschlossen.

Derweil steht der in Afghanistan entführte italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo nach zwei Wochen Geiselhaft offenbar kurz vor der Freilassung. Er ist an eine Gruppe von Stammesältesten übergeben worden. Mastrogiacomo und sein afghanischer Dolmetscher seien im Gegenzug für die Freilassung von zwei bisher in Afghanistan inhaftierten Taliban-Mitgliedern an Stammesführer in der Provinz Helmand weitergereicht worden, sagte ein Taliban-Sprecher.

Für Verwirrung sorgte zwischenzeitlich die Nachricht der italienischen Zeitung „La Republica“, der Italiener sei freigelassen worden. Das Blatt, für das Mastrogiacomo schrieb, distanzierte sich später von seinem Bericht.