HANNOVER - Auch nach der persönlichen Erklärung von Bundespräsident Christian Wulff zum Umgang mit dem Kredit für sein Privathaus geht die Debatte um ein mögliches Fehlverhalten weiter.
Wegen angeblicher Gratisreisen geriet sein bisheriger Sprecher Olaf Glaeseker (50) laut Medienberichten am Freitag unter Druck. Wulff hatte seinen langjährigen Vertrauten am Vortag ohne Angaben von Gründen entlassen.
Nach einem Bericht von stern-online ist Glaeseker, der früher als Redakteur für die Nordwest-Zeitung in Oldenburg arbeitete und anschließend als Korrespondent für die Augsburger Allgemeine aus Bonn berichtete, offenkundig über kostenlose Urlaubseinladungen des Partymanagers Manfred Schmidt gestürzt. Glaeseker habe in seiner Zeit als Regierungssprecher in Niedersachsen mehrfach mit seiner Frau Ferien in Immobilien des Unternehmers in Spanien und Südfrankreich gemacht. In dieser Zeit sei Glaeseker auch mit Veranstaltungen Schmidts befasst gewesen. Zuletzt im Dezember 2009 seien mit einem von dem Kölner PR-Unternehmer organisierten Ereignis die guten Beziehungen zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg gefeiert worden.
Die niedersächsische Staatskanzlei bestritt, dass sie in Wulffs Amtszeit an der Sponsorenwerbung für privat organisierte Veranstaltungen von Politikern und Unternehmern beteiligt gewesen sei. Dies berichtete Der Spiegel mit Blick auf eine Reihe von Zusammenkünften unter dem Titel Nord-Süd-Dialog.
Regierungssprecher Franz Rainer Enste sagte dazu, weder Wulff noch Glaeseker hätten für die Prominenten-Party in Hannover und Stuttgart in den Jahren 2007 bis 2009 Sponsoren geworben. Nach meinen Unterlagen nicht, fügte er hinzu. Wulff sei Schirmherr der Party gewesen. Glaeseker habe in seiner damaligen Funktion das Ereignis federführend betreut und als Klammer zum Hauptorganisator Schmidt gedient.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: Viele Fragen bleiben offen, so auch etwa die neue Frage nach den außergewöhnlichen Sonderkonditionen der BW-Bank.
