Hannover - Die Landwirte in Niedersachsen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Sie fürchten angesichts des Agrarpakets der Bundesregierung mit einer pauschalen Begrenzung der Düngung auf nur 80 Prozent des tatsächlichen Pflanzenbedarfs um ihre Zukunft. Das ist am Montag bei der Mitgliederversammlung des Landvolks Niedersachsen in Hannover deutlich geworden.

„Junge Bäuerinnen und Bauern wissen nicht, ob sie sich noch die Übernahme eines Hofes antun wollen. Ihre Eltern zögern, weil sie nicht abschätzen können, ob ihr Hof zukunftsfest ist, die nächste Generation noch ernähren kann“, sagte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke vor rund 200 Delegierten und etwa 60 Gästen und fügte hinzu: „Das sind die Zukunftsfragen auf unseren Höfen, mit denen uns die Politik allein lässt, auf die sie uns keine Antworten gibt.“

Schulte to Brinke kritisierte insbesondere die neue Düngeverordnung, die „über die Köpfe der Betroffenen hinweg“ bestimmt worden sei. Das Agrarpaket nehme „gespenstische Dimensionen“ an und die Nitratrichtlinie der Europäischen Union diene als „Drohkulisse“. Gleichzeitig beklagte der Landvolkpräsident, dass die bereits unternommenen Anstrengungen der Landwirte zu wenig anerkannt würden. So seien allein in den vergangenen zwei Jahren in Niedersachsen 70 000 Tonnen Stickstoff weniger ins System gelangt.

Rainer Beckedorf – der Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium vertrat die erkrankte Ministerin Barbara Otte-Kinast – machte unterdessen deutlich, dass die bisherigen Anstrengungen für den Grundwasserschutz längst nicht ausreichten. „Raus aus der Verteidigungshaltung, rein in die Zukunftsgestaltung“, forderte Beckedorf die Landwirte auf, „die Herausforderungen aktiv anzugehen“. Es gehe um den Grundwasserschutz und darum, Deutschland vor Strafzahlungen der EU zu bewahren. Es drohe ein Strafgeld von bis zu 800 000 Euro täglich.

Auch wenn beide Seiten immer wieder betonten, in gemeinsamen Gesprächen um Lösungen ringen zu wollen, so wurde am Ende auch deutlich, dass die Gräben zwischen Politik und Landwirtschaft so tief sind, wie lange nicht. „Wandeln Sie Ihre Wut in positive Energie um“, forderte Beckedorf mehr Bewegung von den Landwirten. „Auf unseren Höfen ist vieles in Bewegung, doch die Politik bewegt sich wenig beziehungsweise in die falsche oder unvorhersehbare Richtung“, entgegnete Schulte to Brinke und kam zu dem Schluss: „So viel Bewegung erzeugt Reibung.“