HANNOVER - Beim zweiten Klingeln wird es knapp. „Jetzt aber los“, holt Ansgar Focke, CDU-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Oldenburg-Land zu größeren Schritten aus. Die unterirdischen Gänge, die Bürogebäude und den Landtag miteinander verbinden, sind in ein kaltes, grünes Licht getaucht.

„Es ist wie im Theater“, erklärt der junge Ganderkeseer, während er eine der unzähligen Türen in dem Gang aufstößt. „Dreimal klingelt es, dann geht die Sitzung los. Nachzügler bekommen eine Erinnerungsnachricht auf ihr Handy.“

Kaum im Plenarsaal angekommen, gehen die Debatten los. Auch ein Antrag der Opposition auf die Schaffung neuer Gesamtschulen in Niedersachsen steht auf dem Programm. „Das ist auch ein Thema im Wahlkreis“, weiß Focke. „Wir sind auch für neue Gesamtschulen, wollen das Thema aber in Ruhe angehen. Alles soll ordentlich ausgearbeitet werden, im Mai wird die Regierung dann einen Gesetzesentwurf vorlegen“, äußert er sich zu dem heißen Thema.

Im Plenarsaal schlägt die Diskussion hohe Wellen. Oft ruft die Vizepräsidentin des Landtags, Astrid Vockert, die Abgeordneten mit lauter Stimmer und erstaunlich viel Humor zur Ruhe auf. Dem Eindruck eines großen Klassenzimmers kann sich der Besucher nur schwer erwehren, vielleicht liegt es am Thema.

In bekannte Gesichter darf Focke wenig später einige lange Flure weiter sehen: Eine Besuchergruppe aus Ganderkesee ist im Landtag und sucht das persönliche Gespräch. Schnell holt Focke das Thema Gesamtschule wieder ein. Ganz genau wollen die Bürger wissen, in welche Richtung die Schulpolitik ihre Kinder in Zukunft führt.

„Besuchergruppen habe ich oft hier“, erzählt er später. „Unser Stundenplan ist voll.“ Der Kontakt ist ihm wichtig. „Auch im Wahlkreis versuche ich viel vor Ort zu sein, mit Vereinen und Verbänden zu sprechen“, so der 25-Jährige. Als jugendpolitischer Sprecher seiner Partei interessiere ihn die Arbeit mit Jugendlichen besonders.

Zu den Sitzungen nach Hannover fährt er mit dem Zug. „Da kann ich Arbeit erledigen“, zeigt er auf dicke Aktenstapel auf seinem Schreibtisch. „Manchmal denke ich, die haben hier eine Papierfabrik im Keller.“

In jeden Sachverhalt könne er sich nicht einlesen. „Manchmal sage ich einfach meine Meinung“, gibt er zu. Auf Probleme stoße ein Neuling im Landtag an jeder Ecke. „Da hilft nur eines: Die älteren Kollegen fragen, fragen und nochmals fragen. Von allein hilft dir hier keiner“, weiß Focke.

In Hannover kennt er sich immer besser aus. „Ich habe Schulfreunde, die hier studieren, da habe ich schon die eine oder andere Kneipe gesehen“, erzählt er locker. Doch dafür bleibe nicht viel Zeit.

Eine Nachricht auf sein Handy, ein langer Flur und grünliches Licht. „Eine Abstimmung, ich muss los“, ruft er, dann hat ihn der Gang verschluckt.