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NWZonline.de Nachrichten Politik

Kritik trotz besserer Lehrer- und IT-Lage

18.01.2020

Hannover Schulen in Niedersachsen weisen eine verbesserte Unterrichtsversorgung auf und erhalten erste Fördermittel aus dem milliardenschweren „Digitalpakt Schule“. Im ersten Halbjahr 2019/20 habe die Versorgungsquote bei 99,6 Prozent gelegen, ein Jahr zuvor waren es 99,4 Prozent, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag in Hannover bekanntgab. Zuvor hatte er mitgeteilt, dass an 23 Schulen Fördergelder für IT-Projekte vergeben werden.

Tonne sprach von einem „soliden Wert“ der Unterrichtsversorgung und einem „Schritt nach vorn“. Der Anstieg sei auch darauf zurückzuführen, dass im abgelaufenen Kalenderjahr rund 800 Lehrer mehr eingestellt wurden als in den Ruhestand gingen. Für das zweite Halbjahr seien bisher rund 1100 der 1350 ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt. „Wir haben jetzt einen vernünftigen Trend“, sagte Tonne.

Allerdings ist die Unterrichtsversorgung an Gymnasien und Grundschulen deutlich besser als etwa an den Hauptschulen. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte daher, der Durchschnittswert verdecke die Probleme an den unterschiedlichen Schulformen. Mit der Wiedereinführung der 13. Klasse an den Gymnasien im Sommer drohe an Haupt-, Real- und Oberschulen zudem eine weitere Verschlechterung.

„Uns besorgt die Frage, wie groß die Löcher in den anderen Schulformen werden, wenn die abgeordneten Lehrkräfte zurück an die Gymnasien müssen“, sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Wegen Krankheitsausfällen und Fortbildungen der Lehrer sei ohnehin erst eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent in der Praxis ausreichend. Während die Gymnasien laut Ministerium zurzeit auf 102,2 Prozent kommen, erreichen die Hauptschulen lediglich 94,3 Prozent.

FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling warf Tonne angesichts der neuen Zahlen gar Realitätsverweigerung vor. Es fehlten rund 200 Lehrer, um das Minimum an Unterricht leisten zu können, das den Schülern zustehe. Mit der Rückkehr zur 13. Klasse seien von Sommer an 1250 weitere Stellen notwendig. „Dafür wurde bisher keinerlei Vorsorge getroffen“, sagte Försterling. „Es droht ein Schulnotstand.“

Für eine bessere IT-Ausstattung an den Schulen sollen Fördergelder aus dem milliardenschweren „Digitalpakt Schule“ sorgen. Die ersten Mittel aus dem 2019 beschlossenen Bundesprogramm fließen nun an 23 Schulen in Niedersachsen, sagte Tonne bei der Übergabe der Bescheide in Helmstedt. „In Helmstedt werden die Gelder für die Anschaffung von Laptops und sogenannte Activboards genutzt“, berichtete Bürgermeister Wittich Schobert (CDU). Zudem würde leistungsfähiges WLAN für alle Klassenräume geschaffen.

Am kommenden Dienstag überreicht der Kultusminister einen Bewilligungsbescheid in Höhe von 70 000 Euro an die Stadt Lohne (Kreis Vechta). Mit dem Geld sollen 26 Klassenzimmer der Realschule mit digitalen Anzeigegeräten ausgestattet werden.

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