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NWZonline.de Nachrichten Politik

Bildung: Tonne will bessere Unterrichtsversorgung

02.10.2019

Hannover Der Fühlsack ist dann selbst dem Kultusminister zu viel. Als die Schule Grant Hendrik Tonne vorschlägt, er solle blind in das Säckchen greifen und Gegenstände erraten, lehnt der gebürtige Ostwestfale ab. Es gibt Grenzen. Selbst für den 43-jährigen Chef des Ressorts, das als Undankbarstes der Landespolitik gilt und der einiges gewöhnt ist. Dass sich mit Schulpolitik Wahlen verlieren, aber nicht gewinnen lassen, gehört zu den politischen Standardweisheiten. Denn jeder Erfolg ist für die Verbände und die Opposition eigentlich immer zu wenig. Und so erwartet Tonne auch kein überschwängliches Lob. „Er hat seinen Job ordentlich gemacht“, sollten die Leute nach seiner Amtszeit sagen, sagte Tonne kürzlich. „Das ist für einen Kultusminister das, was man rausholen kann.“

Unterrichtsquote steigt

Dabei hat der passionierte Läufer in seiner knapp zweijährigen Amtszeit rein rechnerisch viel herausgeholt: Er verantwortet den mit mehr als 7 Milliarden Euro größten Einzeletat des Landes. Jeder fünfte Euro des Haushalts fließt ins Kultusressort. Seit Amtsantritt der rot-schwarzen Groko im Herbst 2017 hat der Etat um 21 Prozent zugelegt: Inklusion, Ganztagsausbau, Lohnerhöhungen und die gebührenfreien Kindergärten gehen ins Geld.

Auf der Dauerbaustelle Unterrichtsversorgung sieht der Minister Besserung. Am Montagabend verkündete Tonne, dass Niedersachsen für das laufende Schuljahr 1789 von 1900 ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt hat. Damit fangen mehr neue Lehrer an, als alte in Pension gehen. „Vor dem Hintergrund des allgemeinen Lehrkräftemangels ist dieses Ergebnis sehr respektabel“, sagt der Minister. Die Unterrichtsversorgung könnte von 99,4 Prozent im Jahr 2018 dieses Jahr auf „knapp unter 100 Prozent im Durchschnitt“ steigen, sagt Tonne. „Der Pfeil zeigt in die richtige Richtung“, ergänzt er.

Doch gut ist die Lage nicht, räumt auch der vierfache Vater Tonne ein. Denn mit dem Etat steigen die Bedarfe, trotz noch rückläufiger Schülerzahlen. Vor allem die Inklusion, also der gemeinsame Unterricht behinderter und nicht-behinderter Schüler, ist aufwendig. Im vergangenen Schuljahr sorgte Inklusion für 107 000 Zusatzstunden.

Auch im frühkindlichen Bereich wachsen die Ansprüche: Viele Kommunen kommen seit Einführung der Gebührenfreiheit für Kindergärten mit dem Bauen und Einstellen nicht hinterher.

Das hört sich schlimm an, doch Tonne hat es weit besser als Vorgängerin Frauke Heiligenstadt. Der hatte ein Gericht die Planung zur Lehrerarbeitszeit zerhauen. Zudem nahm die CDU-Opposition die zunehmend unglücklich agierende Ministerin unter Dauerfeuer. In der Großen Koalition sitzt die CDU nun mit in der Regierung und ist entsprechend handzahm.

Keine Grundsatzdebatten

Grundsatzdebatten um den gemeinsamen Unterricht unterschiedlich begabter Kinder oder die Grenzen der Inklusion haben SPD und CDU auf Eis gelegt. Und die Kleinopposition aus Grünen, FDP und AfD schafft es bisher nicht, den Minister zu treiben.

Gleich zu Amtsantritt hat Tonne das Gespräch mit den Interessensverbänden und zu Grünen und FDP gesucht und pragmatische Lösungen in Aussicht gestellt. „Lockerungsübungen“ nennt es der Kultusminister, wenn Schulen und Ministerium neue Modelle ausprobieren oder Gewohntes abschaffen.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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