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nordwest-zeitung

Corona Pflegeheime starten mit Reihentests

Christina Sticht

Hannover - Antigen-Schnelltests sollen in der zweiten Corona-Welle Infektionsausbrüche in Alten- und Pflegeeinrichtungen verhindern. Seit Mitte Oktober haben Heime und Kliniken bundesweit die Möglichkeit, dieses Verfahren zu nutzen und abzurechnen. Einmal in der Woche können die eigenen Mitarbeiter sowie Bewohner beziehungsweise Patienten getestet werden. „Wir geben den Einrichtungen derzeit die notwendige Hilfestellung bei der Erstellung entsprechender Testkonzepte“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Donnerstag.

Die Hoffnung

Pflegebedürftige Senioren trifft das neuartige Virus besonders hart. Laut einer Erhebung des Landes starben zwischen dem 4. April und dem 27. Oktober 331 Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert hatten. Das waren rund 45 Prozent der Corona-Todesfälle in Niedersachsen. Mit den Schnelltests – so die Hoffnung – können Infektionen früher bemerkt werden.

Das sagen Heimleiter

Heimbetreiber begrüßen das neue Verfahren. „Wir starten diese Woche. Bei uns bieten wir das sechs Mal die Woche für zwei Stunden an“, sagte Lars Wöhler, der ein Pflegeheim in Burgwedel bei Hannover leitet. Die Abstriche müssen von eigenen Fachkräften genommen werden. Die Mitarbeiter fehlten dann bei der Betreuung der Bewohner. Aus seiner Sicht könnten diese Aufgabe zum Beispiel Bundeswehrsoldaten übernehmen.

Zudem wären Reihentests in den Senioren-Einrichtungen schon viel früher sinnvoll gewesen, sagte Wöhler, der sich im Landesvorstand des Verbands privater Anbieter sozialer Dienste engagiert. „Wir hätten uns alle gewünscht, dass solche Tests nicht bei Profi-Fußballern eingesetzt werden, sondern bei uns.“

Die Aktuelle Lage

Das Landesgesundheitsministerium zählte in dieser Woche 36 Einrichtungen mit Corona-Fällen, erkrankt waren 200 Bewohner und 101 Mitarbeiter (Stand 27. Oktober). Seit September werden Corona-Ausbrüche in niedersächsischen Heimen bekannt, etwa in Neu-Wulmstorf (Kreis Harburg), Vechta und Bad Essen (Kreis Osnabrück) sowie zuletzt in Hildesheim und Sarstedt.

Das sagt die Ministerin

Die besonders Schutzbedürftigen und vom Virus stark Bedrohten sollten nicht noch an Einsamkeit und sozialer Isolation leiden, betonte Ministerin Reimann. „Neben der Politik und den Einrichtungen können auch die Angehörigen aktiv mithelfen, Besuche so lange wie möglich zu ermöglichen“, sagte die Politikerin.

Eine Ethische Frage

Die Häuser hätten inzwischen gut durchdachte Hygienekonzepte mit zum Beispiel von außen zugänglichen Besuchszimmern, sagte Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher des Diakonischen Werkes evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Trotz der neuen Schnelltests bleibe auch in gut geführten Häusern ein Restrisiko. „Uns ist wichtig, dass nicht in einem Reflex die Häuser wieder zugemacht werden“, betonte Lenke. Es sei ethisch nicht zu verantworten, die alten Menschen in den Einrichtungen einzusperren und ihnen beispielsweise Treffen mit Ehepartnern zu verwehren.

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