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Dr. Fabian Feil leitet Landesgesundheitsamt Warum Niedersachsens oberster Arzt Prognosen scheut

Hannover - Prognosen mag er nicht mehr abgeben: „Das habe ich zuletzt 2009 beim Ausbruch der Schweinegrippe gemacht“, sagt Dr. Fabian Feil. „Dann hatten wir im Jahr 2010 keinen einzigen Influenza-Nachweis.“ Im Fall der Corona-Pandemie hat der Mediziner aber eine klare Botschaft: Jede Impfung hilft! Das Risiko einer Infektion oder eines schweren Krankheitsverlaufes sinke durch die Impfung erheblich.

Geboren in Stuttgart

Seit knapp sechs Wochen leitet Dr. Fabian Feil, zuletzt Referent für Infektionsschutz und öffentliches Gesundheitswesen im Gesundheitsministerium in Hannover, das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA). Der 57-jährige Mediziner trat die Nachfolge von Dr. Matthias Pulz an, der seit 2007 Präsident des Amtes war und sich in den Ruhestand verabschiedet hat.

Feil stammt aus Stuttgart. Der Dialekt ist leicht zu hören. Er studierte von 1984 bis 1992 Medizin in Ulm, Marburg und Berlin. Anschließend war er für fünf Jahre im Kreiskrankenhaus Peine in der Inneren Medizin beschäftigt. Doch das öffentliche Gesundheitswesen interessierte ihn stärker. Ergänzend studierte Feil Bevölkerungsmedizin und Gesundheitswesen an der Medizinischen Hochschule Hannover. Schon von 1998 bis 2003 war der Epidemiologe am NLGA tätig; 2003 wechselte er dann ins Ministerium.

Der Top-Mediziner führt nun beim Landesgesundheitsamt ein Team von 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das NLGA berät die Politik und unterstützt die öffentlichen Gesundheitsämter. Der Ärztemangel sei eine großere Herausforderung, sagt Feil. Die Gesundheitsämter hätten besonders darunter zu leiden.

Klima und Krankheiten

In der Corona-Pandemie fährt Feil einen klaren Kurs. 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren müssten vollständig geimpft sein, um eine schwierige Situation im Herbst und Winter zu vermeiden. Ebenso wie Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) zählt Feil zum „Team Vorsicht“. Der NLGA-Chef macht aber keinen Hehl aus seiner Position, dass Niedersachsen deutlich besser dastehe als noch vor einem Jahr. Zudem appelliert er an die Menschen, die Grippe-Schutzimpfung wahrzunehmen.

Feil gilt als kluger Analytiker. „Ich liebe Zahlen“, räumt er ein. Stundenlang kann er Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) studieren. Auch dort ist seine Expertise gefragt: Feil ist Vorsitzender der Nationalen Kommission für die Polio-Eradikation (übersetzt: „Auslöschung“). Trotz der Arbeitsbelastung will er diese Aufgabe weiterhin wahrnehmen. „Es ist mein Lieblingsthema.“

Den Podcast des Virologen Christian Drosten hört er dagegen eher selten. „Ich habe ja noch Hobbys“, liefert der verheiratete Vater von drei Kindern eine verblüffende Begründung. Dazu gehören Rennrad fahren, Klavier spielen und die Chormusik.

Zu Corona wagt der NLGA-Chef dann doch eine Prognose: Das Virus werde nicht aus der Welt verschwinden. Und ein weiteres Zukunftsthema: „Klimaabhängige Krankheiten werden eine große Rolle spielen“, sagt Feil. Das öffentliche Gesundheitswesen im Land müsse sich dafür wappnen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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