HANNOVER/GENF - Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) hat in einem Brief die Ärzte in Deutschland wegen der allgemeinen Verunsicherung beim Thema Schweinegrippe um Mithilfe gebeten. Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege schreibt Rösler, der selbst Arzt ist, und berichtet, die aktuellen Daten zeigten einen hohe Zahl von Infektionen mit dem H1N1-Virus. Rösler appelliert deshalb: Helfen Sie mit, damit Menschen wieder Vertrauen in den Schutz durch Impfen zurückgewinnen. Die Impfung bleibe der wirksamste Schutz vor der Neuen Grippe.
Unterdessen hat die erste Schweinegrippe-Welle nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor allem in Westeuropa ihren Höhepunkt überschritten. Wir sehen in den meisten Ländern einen Rückgang (der Neuansteckungen), sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl in Genf. Dies gelte auch für Deutschland. Ich warne aber davor, zu glauben, das Schlimmste sei vorbei. So habe Frankreich schon vor einigen Monaten den Höhepunkt mit den meisten Ansteckungen erreicht. Nach dem Abflauen sei nun wieder ein Spitzenwert zu verzeichnen. Ähnliches könne sich auch in Deutschland abspielen. Die Grippe kommt in Wellen. So ist in Deutschland also derzeit wohl nur eine Welle überstanden, weitere können aber folgen, sagte Hartl.
Hartl verwies darauf, dass die Zahl der Ansteckungen in Nordeuropa hoch bleibe. Man müsse abwarten, welchen Einfluss die derzeit kalte Witterung in Mitteleuropa auf diese Entwicklung habe. Unlängst hatte der Arzneiexperte Wolfgang Becker-Brüser (Herausgeber des Arznei-Telegramms) der Politik schwere Versäumnisse bei den Verhandlungen mit der Pharmaindustrie vorgeworfen. Die Politik hat Geheimverträge mit der Industrie abgeschlossen ohne öffentliche Kontrolle. Nun sei zu viel Impfstoff vorhanden und damit zu viel Geld ausgegeben worden.
Als Regel für die Impfung gilt: Eine einmalige Impfung reicht für gesunde Personen jeder Altersgruppe. Für Schwangere gibt es einen speziellen Impfstoff. Menschen mit Vorerkrankungen sollten mit ihrem Arzt sprechen, ob bei ihnen gegebenenfalls zwei Impfungen sinnvoll sein könnten.
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