HANNOVER/GOSLAR/BERLIN - Die drohende Steinigung der 24-jährigen Zahra Kameli hat eine riesige Anteilnahme ausgelöst. Der Ministerpräsident fordert eine erneute Prüfung des Falls.
Von Gunars Reichenbachs
und Stefan Idel
HANNOVER/GOSLAR/BERLIN - Bei der Evangelischen Landeskirche in Hannover stehen die Telefone nicht mehr still. Die weiter geplante Abschiebung der 24-jährigen Zahra Kameli in den Iran und die ihr dort drohende Todesstrafe, weil sie ihren Ehemann verließ und zum Christentum übertrat, hat eine Welle von Protesten ausgelöst. „Uns erreichen täglich Hunderte von Faxen, Briefen und Anrufen. Die Bürger fordern Land und Bund auf, die Abschiebung zu verhindern“, sagte Pastor Hans-Jürgen Kutzner, der Iran-Beauftragte der Landeskirche, der NWZ .Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der sich bislang hinter Landesinnenminister Schünemann gestellt und auf die rechtlichen Vorgaben des Bundes verwiesen hatte, will jetzt offenbar helfen. Wulff schloss sich einem Appell der CDU-Landtagsfraktion an, wie eine Regierungssprecherin der NWZ sagte. Die Union fordert Bundesinnenminister Schily (SPD) auf, den Fall Kameli erneut zu prüfen.
Pastor Kutzner besuchte gestern Zahra Kameli in einer hessischen Klinik, wo sie nach ihrem Nervenzusammenbruch auf dem Frankfurter Flughafen liegt. „Sie ist sehr geschwächt“, so der Seelsorger. Doch die riesige Anteilnahme so vieler Menschen tue ihr gut. „Frau Kameli wird jedoch noch einige Wochen im Krankenhaus bleiben müssen.“ Zeit für eine Lösung des Problems, das zwischen dem Bund, dem Land Niedersachsen, dem Kreis Goslar, der die Ausweisung betreibt, und dem zuständigen Amtsgericht hin- und hergeschoben wird. Niemand möchte die politische Verantwortung tragen, sollte Kameli im Iran hingerichtet werden.
Landesbischöfin Margot Käßmann hatte Bundespräsident Köhler gebeten, sich für Kameli einzusetzen. Köhler prüfe noch, erklärte seine Sprecherin gestern der NWZ .
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